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kokhaviv publications

Kritisches Forum

Der Krieg ist der Vater der Dinge. Heraklit

2003-09-23

Ali Nerter

Vive la France!

T. E. Knapps Rezension des Buches von Gregor Schöllgen läßt sich ausweiten insofern, als der besprochene Autor wohl mit guten Gründen nicht das geliefert hat, was sein Leser erwartete.

Denn die Dinge sind zu sehr noch im Fluß und die Archive geben natürlich für Zukünftiges nichts her.

Knapps Konkretion einer alternativen deutschen Außenpolitik findet sich am Rand des Utopischen.

Er selber ist ja unübersehbar skeptisch.

So, wie die Schrödersche rot-grüne Koalition schon vor ihrer Bildung gewachsen war, mußte man ihr falsches Muskeltraining in alle Erwartungen einbeziehen.

In der Tat sind beide Regierungsparteien "schwach auf der Brust", was bei ihrem Pazifismus und ihrem persönlich hedonistischen Stil des Lebens nicht wundert.

Sie sind nicht in der Lage, verteidigungspolitische Voraussetzungen für eine "frankeurafrikanische" Außenpolitik zu schaffen.

Dies auch noch mit einer dann notwendigen Kooperation mit muslimischen Staaten sowie mit der VR China.

Auch der christlichen Opposition fehlen seit Jahrzehnten dafür die Voraussetzungen und der Wille zum unkonventionellen Denken.

Sind die heute Regierenden "schwach auf der Brust", so ist zumindest die CDU schwach im Kopf und jenem Organ, das für Mut steht.

Bei der CSU hingegen könnte es sich anders verhalten oder entwickeln.

Aber sie hat keinen ernstzunehmenden Partner, anders als zu Zeiten Adenauers.

Deutschland, da kann man Knapp zustimmen, bleibt wohl nichts anderes übrig, als vor den USA zu kuschen.

Es hat seit Adenauers Rücktritt alle Chancen verbummelt.

Kuschen, das können sie ja gut, mag man resigniert sagen.

Aber ob es beim Kuschen bleiben wird?

Denn wenn Frankreich im Alleingang seine Politik einer Gegenmachtbildung zu den Angelsachsen weitertriebe, dabei auch seine gegenwärtige indirekte Unterstützung der FLN-Militärdiktatur Algeriens aufgäbe, dann würde es zwar zur europäischen Schutzmacht des erneuerten Islam werden und müßte sich auch gegen ein anglosächsisch bestimmtes Deutschland wenden, etwa die Rhein-Main-Linie wieder anpeilen.

Oder die CSU zur Ausweitung nach Norden animieren.

Auch Italien müßte es wieder politisch "französisieren".

Der Vatikan würde die volklich-staatliche Einheit der Appenin-Halbinsel, die seine geistige Bewegungsfreiheit stark einschränkte und bis heute einschränkt, kaum stark verteidigen wollen.

Spanien hat sowieso engste historische Verbindungen zur muslimischen Welt, die es nur erneuern müßte.

Und Rußland, das zu seiner alten zaristisch-kontinentalen "eurasiatischen" Tradition zurückfindet?

Um auf den Rezensenten von Schöllgens Buch zurückzukommen, so könnte man ihn ein übrig gebliebenes winziges Rädchen einer längst ausgestorbenen und nie starken Tradition nennen, der jetzt seinen Jugendtraum auferstehen zu sehen meint.

Er war stets entschieden antistalinistisch, aber gerade deshalb um so antisowjetischer gesinnt.

Er war nie einer der kommoden Antikommunisten, die rückhaltlos auf die Seite der Amerikaner traten.

Solange kommunistisch genannte Staaten wie die Titos, Ceausescus und zuletzt Maos und Hodschas (Albanien) antisowjetisch waren oder zu werden schienen, war K. damit zufrieden (weswegen er auch innerhalb der grünen Partei gegen alle maoistischen, unterwandernden Splittergrüppchen kämpfte, die immer noch Stalin laut hochleben ließen).

Für ihn war der Stalinismus ein typisches Gewächs der russischen Rückständigkeit, und auch nach dem Zusammenbruch der UdSSR und ihres Warschauer Paktsystems blieb er mißtrauisch gegen Großrußland.

Ob das illusionär war oder gar prinzipienlos - das bestimmte auch sein Verhältnis zu den USA, was letztlich seine Karriere im Amt beendet hat.

Daß die CIA jede amtliche Auskunft über ihre Ausforschungen seiner Person verweigert, gilt K. als Hinweis auf deren Intriganz.

Solche Intrigen hält er für den europäischen Raum analog zu den CIA-Intrigen in Lateinamerika für höchstwahrscheinlich.

Die Politik des Frankeurafrika könnte für die wahre politische "Stadt des Lichtes" entsetzlich werden!

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