2003-10-11
Brecht die Macht der Kinderlosen!
In der wohlverstandenen jüdischen Tradition gilt ein Kinderloser als unvollkommen, als jemand, dem Wesentliches zu seinem Leben noch fehlt.
Ein unverheirateter, kinderloser Rabh ist ein Unding, und dieser Umstand war es denn auch, der dem kinderlos-unverheirateten Begründer des Christentums zu seinem und seines Werkes Verhängnis geworden ist.
Besonders die westliche Kirche leidet an Zölibat und Kinderlosigkeit ihrer geweihten Repräsentanten, was bei aller abstrakten Prinzipientreue wie ein Fluch auf diesem Abendland lastet.
Die Kinderlosen haben bis in nachchristliche Neuzeit und gottlose Gegenwart hinein die westliche Welt geistig beherrscht und von Tag zu Tag fester in den Griff und in ihren Besitz genommen.
Wenn wir nur an Deutschland denken, so läßt sich seit dem philosophischen und dichterischen Zeitalter zunehmend auch die Kinderfeindlichkeit nachweisen, die hier im Norden allerdings schon zu Vorzeiten einen durchaus "fruchtbaren" Boden gehabt zu haben scheint: Kinder wuchsen in kinderfeindlicher Umgebung auf.
Im heutigen Deutschland dominiert die Ideologie des Singletums, der Homosexualität, des Lebens ohne Kinder in einem Maße, daß das ganze gesellschaftliche System - angefangen beim wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Nachwuchs über die Dehumanisierung des Alltags bis zum Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme - der Zerstörung ausgesetzt ist.
Die Entwicklung in diese Katastrophe hinein war nicht dem Zufall überlassen, sie war geplant und ist - methodisch exakt - durchgeführt worden.
Wer was von Bäumen versteht, braucht nicht die Ernte abzuwarten, um zu wissen, daß dies ein Pflaumenbaum, das ein Birnbaum sei, also eines Tages Pflaumen beziehungsweise Birnen tragen werde und nicht Äpfel. Da mögen hundert "Ansichten" um den Baum herum sich produzieren.
kuckuck 23/24, 1979, Frühjahr/Sommer, "Emanzipation und Sprache"
Was einer wußte, konnte jeder wissen, und die akademischen Zirkel, die den Spuk in die Wege leiteten, wußten es selbstverständlich von vornherein am allerbesten, sie hatten das Desaster konzipiert, sie haben die Menschen bewußt ins seelische und gesellschaftliche Elend getrieben.