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kokhaviv publications

NewCatch - online exclusive

Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2004-06-10

Avram Kokhaviv

Escapade wie gehabt

Was wird der Aggressor diesmal hinterlassen?

Deutschland... Vietnam, Kosovo, Afghanistan, Iraq...

Deutschland bildet eine Ausnahme, es war selbst der Aggressor, und die Vereinigten Staaten - einer der vier Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition - hinterließen mit der Bundesrepublik Deutschland ein gut funktionierendes, wirtschaftlich und politisch erfolgreiches, demokratisches Staatswesen.

Bei anderen Gelegenheiten blieben nur Trümmer und Erinnerung an die Toten zurück, was in Deutschland fast abrupt in den Hintergrund getreten war.

Die Deutschen jammerten nicht, bauten ihr Land auf und machten im übrigen eine gute Figur, bis eines Tages - etwa zu Beginn der sechziger Jahre - ihre dunkle Vergangenheit hervorgeholt und seither recht eigenbrötlerisch kultiviert wird.

Dem Sieg über Deutschland folgten militärisch-politische Niederlagen in Vietnam, in Afghanistan, im Iraq...

Mit dem 11. September 2001 beginnt die konzertierte anti-islamische Kampagne.

Der "Krieg gegen den Terrorismus" nimmt terroristische Formen an, und man weiß, wohin das führen soll:

Der "Kreuzzug gegen den Islam" ist keine leere Redensart, sondern faktische - propagandistisch angetriebene - neo-imperialistische Politik, die erst in den Foltergefängnissen ihren moralischen Genickbruch erleidet.

Aus Vietnam zog Amerika sich elegant zurück; die Regierung Nixon-Kissinger wendete die gesamte Ostasienpolitik mit beachtlichem Erfolg.

Vergleichbar geschickt, doch sonst unvergleichlich bleibt Ronald Reagans geistig-psychologische Kriegführung gegen die Sowjetunion - sein Sieg im Kalten Krieg.

Die Amerikaner lieben ihre Sieger, und George W. Bush, der das genau weiß, gab sich alle Mühe, nach der Provokation vom 11. September 2001 Amerika siegreich in seinen neuen "Krieg gegen den Terrorismus" zu führen.

Die zunächst kurzen Waffengänge in Afghanistan und Iraq signalisierten so etwas wie schnelle Siege, wenn man nicht genauer hinsah.

Aus Afghanistan zogen sich die amerikanischen Truppen bald zurück; sie hinterließen - neben europäischen Aufpassern und mehr oder weniger privaten (!) "Spezialisten" - eine landeseigene Regierung, die allerdings über den Ruf eines Marionettenregimes nicht hinaus gekommen ist.

Der Beginn der Iraq-Invasion sah wie die Fortführung eines erfolgreichen Feldzuges gegen den Terrorismus aus, konnte aber auch schon als halbwegs gelingendes Rückzugsmanöver verstanden werden.

Mit dem nachhaltigen und zunehmenden Widerstand - in Afghanistan, im Iraq... - hatte offenbar niemand gerechnet, so ging der Krieg wieder verloren.

Was wird Amerika im Iraq hinterlassen?

Eine provisorische Regierung, die nicht wirklich ernst genommen wird, mit der sich auch schon die ersten inneren Konflikte abzeichnen.

Der kurdische Widerstand nimmt bereits überregionale - nämlich "kurdistanische" - Formen an, die gewiß nicht unterschätzt werden dürfen.

Die Kurden sehen sich wieder einmal betrogen und haben im übrigen die Waffenruhe mit der Türkei, die ihrerseits unter europäischem Druck bezüglich ihrer Minderheitenpolitik steht, aufgehoben.

Wenn Amerika geht, wird es seine Ölinteressen - etwa auf dem Wege der Entsühnung Saudi-Arabiens in Sachen Terrorismus und der diesbezüglichen Absicherung im Iraq - einstweilen unter Dach und Fach haben.

Der alte Ordnungsfaktor Saddam Hussein ist aus der Welt, ein neuer starker Mann ist eher unwahrscheinlich, und ein gewisses Chaos in der Region mit inneren Kleinkriegen, die die US-Interessen nicht berühren, sichert immerhin viele Möglichkeiten der verdeckten Einmischung.

Die aufwendig inszenierte Doppel-Erinnerung an "D-Day" und Ronald Reagan - Siege in Weltkrieg II und Kaltem Krieg - könnten dem besonders seit den Folter-Skandalen in die Nieder-Lage geratenen Wahlkämpfer George W. Bush aus der Bredouille helfen.

Die Daten des Jubiläums und des Todes sind an Geschichte und Lebensgeschichte gebunden, ihre Nutzung für die Escapade aus dem psychologischen Tief ist jedoch praktische, im Moment irgendwie auch in eine neue Zukunft weisende Politik.

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