2006-01-08
Fort von hier oder was
Ein nächster Krieg als Fortsetzung des Kreuzzugs gegen den Islam ist im Schwange
Wir müssen uns nicht viel vormachen, wenn wir behaupten, daß die nächste Phase von WWIV ein Krieg gegen den Iran sein wird.
Das Treiben gegen den Iran ist älter als die verbalen Attacken des iranischen Präsidenten.
Ahmadinedjad hat nur zusätzliche Vorwände geliefert und damit ein wenig den Terminplan bestimmt.
Antreiber zum Krieg sind in der Reihenfolge: Israel, USA und die Türkei.
Da geht es um die Vorherrschaft im Mittleren Osten, um die Verfügungsgewalt über die Ölvorkommen, um die wissenschaftliche und industrielle Fähigkeit des Iran, eine moderne Atom-Macht zu werden...
Und es geht um die Frage, welche Rolle die shiitische Ausrichtung des iranischen Islam dabei spielen wird.
Während die Amerikaner - gegen ihren ursprünglichen Willen - ein shiitisches Regime im Iraq etablieren, rüsten sie gegen die shiitische Islamische Republik Iran.
Der heutige Iran hat den Charakter einer theokratischen Republik, die die Shariah über das weltliche Gesetz stellt.
Der islamische Geist hat sich gegenüber Aufweichungsversuchen bisher als resistent erwiesen, die Souveränität wollen sich auch die moderateren Kräfte nicht nehmen lassen.
Der shiitisch-islamische Geist Teherans ist eine essentielle Herausforderung dreier Machtfaktoren im Mittleren Orient: des jüdischen Staates Israel, der evangelikalen USA und der laizistischen, im Innern jedoch mehrheitlich sunnitisch-islamischen, Türkei.
Der innere Iraq-Krieg hat die gefährlichen Antagonismen zwischen der Shia und der Sunna hervor gerufen.
Die Türkei ist in diesem Drama nicht gering zu schätzen.
Das Regime im Iran erfreut sich in den arabischen Ländern keiner besonderen Zuneigung, so daß Teheran in die Isolierung zu geraten droht, wenn nicht äußere Mächte sich der Islamischen Republik annehmen.
Rußland und China sind interessenpolitisch längst im Spiel, Indien und Japan bleiben womöglich vor den Toren stehen.
Ein massiver westlicher Angriff auf den Iran wäre gewiß Grund genug, dem weiteren Vordringen Amerikas im Vorderen Orient Einhalt gebieten zu wollen.
Die voraussehbare politische Niederlage des Westens, besonders der USA, im Iraq sorgt für Unruhe in Israel und für Euphorie im arabisch-islamischen Raum.
Was die Türkei angeht, so ist zu erwarten, daß sie sich nicht auf großartige Kriegshandlungen einläßt, dafür aber ihre alten nationalen Interessen in bezug auf die kurdischen Bestrebungen ins Spiel bringen wird.
Kaum voraus zu sagen ist der iranische Widerstandsgeist, falls es wirklich zu einer äußeren Aggression gegen das Land und das Volk kommt.
Kaum ab zu sehen ist auch die Einstellung des amerikanischen Volkes.
Es wird psychologischer Vorbereitungen bedürfen, um einen solchen Krieg an zu zetteln.
Ein Krieg, der die Zustimmung der Parlamente erhalten will, muß mit neuen Lügen - ähnlich denen bei der Begründung des Iraq-Kriegs - aufwarten, und die Behauptungen, daß aus Teheran eine atomare Kriegsgefahr drohe, liegen bereits auf dieser Linie.
Ob das amerikanische Volk, die demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen, die Medien-Öffentlichkeit den zweifelhaften Anschuldigungen zu glauben bereit sind, bleibt ab zu warten.
Die Hoffnungen, daß Irans Ahmadinedjad sich im eigenen Umfeld isolieren könnte, sind vielleicht weniger begründet als jene, daß George W. Bush bald sein Amt verlieren wird.
Israel ist immerhin schon dabei, sich auf eine Zeit nach Sharon ein zu richten.
Und die Türkei wird sich in einem de facto anti-islamischen Krieg nicht zu weit aus dem Fenster lehnen dürfen.
Eine abermalige moralische und politische Niederlage der Kreuzzügler gegen den Islam à la Afghanistan und Iraq steht im Kalender.
Wie lange die Welt sich das noch bieten lassen will, weiß Gott allein.