2006-02-08
Eine neue Sachlichkeit ist vielleicht das Wertvollste im Moment
Diese neue Sachlichkeit hat freilich einen unsachlichen Hintergrund
Die Sachlichkeit hat schon wieder nach gelassen, aber richtig und halbwegs lebendig ist der Streit um die Pressefreiheit, der bisher allerdings regelmäßig ausblieb, wenn westliche Tabus in die Gefahrenzone der sachlichen Kritik gerieten.
Daran hat sich auch nichts geändert.
Aber nun haben wir den Karikaturen-Krieg, der in Wahrheit hoch kochen läßt, was tiefer geht und an die Wurzeln des seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten währenden Kreuzzugs gegen den Islam rührt.
Hinzu kommt die offensichtlich passende Gelegenheit, über den Bruch der Souveränitätsrechte des Iran uneingeschränkt an dessen Ressourcen heran zu kommen.
Die neue Sachlichkeit der deutschen Bundesregierung in der Person von Angela Merkel ist seit deren Israel-Besuch wieder getrübt.
Die deutsche Bundeskanzlerin hat so eindeutig für die politischen Interessen Israels Partei ergriffen, daß sie - wie einst Bundeskanzler Schröder in Außendiensten Rußlands - das Image und den Namen einer Außenministerin Israels trägt.
Auf einem Cartoon-Plakat in den Straßen Teherans erschien Angela Merkel mit dem Zusatz: "Stupid Zionist".
Mit ihrem Verhalten in der Nahost-Frage hat sie einen hohen Kredit, den Deutschland im islamischen Raum genoß, zweifellos verspielt.
Ob sie Israel auf längere Sicht damit einen Gefallen tut, ist eine andere Frage.
Merkels Ablehnung («unakzeptabel»), das jüdische Volk in dessen existentieller Not in Deutschland aufzunehmen, ist bei uns öffentlich nicht reflektiert worden.
Es gibt nämlich nicht nur dumme («stupid»), es gibt auch kluge Zionisten, die die Lage Israels sehr kritisch betrachten, auf deren Urteil man eher hören sollte als auf die euphorischen Neunmalklugen, die die letzten Jahrzehnte verschlafen haben.
Israelische Sicherheitsexperten sind längst zu der Überzeugung gekommen, daß das zionistische Israel sich von den Palästinensern trennen, sich von ihnen abschotten muß, wenn es noch ein kleines bißchen Zukunft haben und nicht gleich untergehen will.
Der vorläufige Ministerpräsident Ehud Olmert hat auf seine Prioritätenliste obenauf die bauliche Vollendung der Apartheid-Mauer gesetzt.
Der israelische Militärwissenschaftler Martin van Creveld sieht den Staat Israel tatsächlich vor der Alternative: Rückzug aus den besetzten Gebieten oder Untergang, ja, er sagt «Untergang»!
Mit dem Rückzug verbindet auch er die Vollendung des Mauer-Baus.
Wer den israelischen Mauer-Bau mit dem der untergegangenen DDR vergleicht, kann auch hier nur einen Untergang auf Zeit erkennen.
Die sicherheitstechnische Notwendigkeit des Mauer-Baus signalisiert die geschichtliche Ausweglosigkeit des zionistischen Staates.
Wer sich ernsthaft Sorge um das jüdische Volk und die Juden in Israel macht, kann eine solche Endzeit-Politik nicht auch noch unterstützen.
Der Israel-Feind Ahmadinedjad hat die Frage vom Ausgang der von ihm angeregten Teheraner Holocaust-Konferenz abhängig gemacht.
Man sollte daran vorbei unilateral Vorsorge und bald auch eine Entscheidung treffen.
Die Einladung Deutschlands an die Juden, ins Land ihrer einstigen Feinde zurück oder heim oder ein zu kehren, ist eine historische Selbstverständlichkeit.
Was haben Araber, Palästinenser, Muslime im Nahen Osten mit der Judenverfolgung zu tun?
Nichts.
Deutschland dagegen alles.
Ergo...
Die Idee United Palestine - aus Israel, Gaza, Westbank und Jordanien (!) - bleibt davon unberührt.