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Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2006-04-17

Unger Varnsdorf

Brot

Unser täglich Brot gib uns heute...

Lange Zeit fehlte uns das tägliche Brot, und heute wird damit herum geschmissen und darauf herum getrampelt.

Uns war das Brot heilig, ihnen ist es ein Dreck.

Ich habe noch heute den Geschmack im Mund, das trockene Brot, um das wir Kilometer liefen, mit leerem Magen, um ihn füllen zu können.

Sind Kinder, die mit Brot um sich werfen, schuldig oder unschuldig?

Sind die Schuldverstrickungen ein Ergebnis des Lebens oder uns eingegeben von Anfang an, ja vor unserer Geburt?

Wir sind Gesegnete und Verdammte, unser Schicksal kommt uns nicht entgegen, es spiegelt sich in den Ereignissen, wir bringen es mit.

Kein Mensch ist unschuldig, ein unschuldiges Kind ist ein Wunschbild, nicht wirklich.

Wenn Frühere ihre Feinde mit Stumpf und Stiel, Alt und Jung, Frau und Kind ausrotteten, handelten sie nicht nur in einem engen Horizont von Erfahrung, Wissen und Einsicht.

Sie taten, was ihnen vom Schicksal vorgegeben, was sie tun mußten nach Gottes Gesetz, sollte nicht an ihnen getan werden nach selbem Gesetz.

Unser Denken läßt solche Sichten nicht zu, sie sind ihm unmoralisch, sittlich nicht vertretbar, ja völkermörderisch.

Die höhere Ethik verschönt die Welt zu Lasten der Wahrheit, die nicht schön, nicht gut und nicht böse ist.

Gottes Wahrheit ist die stillende Watte, die Salbe, der Schlaf, ist der Schlag, das Messer, das Schwert, der Tod...

Was übrig bleibt, wurde verschont, wer überlebt, ist gesegnet.

Wer seinen Vater und seine Mutter ehrt, hat dem, der ihnen flucht, ein paar Punkte voraus, wer weiß.

Gott will sein Chaos in Ordnung bringen, wir sollen ihm dabei behilflich sein.

Gott verschleudert seine Güter, vergeudet nicht nur das Brot an die Fressenden, er läßt die Hungernden hungern, er benimmt sich wie die verfluchten Kinder, denen die Ehrfurcht fehlt und die Achtung vor dem Gesetz.

Achtung oder Nichtachtung des Gesetzes ist dir eingeschnitten, was du erlernst seit deiner Geburt ist nichts gegen das, was du mit deiner Zeugung erwarbst.

Am kleinsten Kind ist die Zukunft abzulesen, die Zukunft des Kindes.

Ob es wie Coriolan den Schmetterling zerzupft oder auf Blumen, Käfer und nach Hunden tritt, du kannst daraus ersehen, was Gott mit ihm vor hat.

Achte deinen ersten Schreck als Zeuge solchen Schauspiels, und denke daran, wie du die Libelle nadeltest.

Fast möchte das Böse im Kinde heimischer sein als im erwachsenen Menschen.

Das Böse im Alten könnte als Kindrest überlebt haben.

Das Leben entschuldet den Menschen, erläßt ihm Stück für Stück von seiner Erbschuld.

Die katholische Lehre blickt tiefer als die Psychoanalyse, sie heilt, sie reißt die Wunden nicht wieder auf.

Die Kirche weiß, sie kennt die Wunden und Schmerzen.

Die Menschwerdung Gottes ist seine Gutwerdung, des Menschen Erlösung.

Dagegen der Kampf, der nicht enden will, ob gleich - gleich ob - Gottes Schöpfung durch ihn die Vollendung sucht.

Der Gott der Schöpfung ist der Herr der Geschichte, und die weiß nichts von einer Erlösung, weiß nur von Leben und Tod.

Wertung ist Aufgabe und Bestreben des Menschen, der die Unterscheidung braucht, um existieren zu können.

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