2007-01-28
Abstrahieren - oder das Wesentliche erfassen
Du kannst dich den Dingen entziehen oder aufsteigen, um sie zu überblicken.
Was nicht dasselbe ist.
Einmal scheuest du dich vielleicht, die Dinge beim Namen zu nennen, bei anderer Gelegenheit suchst du nach einem besseren oder übergeordneten Namen.
Und das in einer Sprache, die jeder verstehen kann.
Der Apfel ist grün und sauer, das Obst ist noch nicht reif.
Die aufregenden Anfänge der Weltraumfahrt verdrängten den Gedanken, das sei alles nur Unsinn...
Inzwischen kann jeder wissen, daß solche Prometheufeleien unser Leben auf Erden bedrohen...
Nun, wir haben resigniert, uns an vieles gewöhnt, denken nicht mehr darüber nach.
Wer es dennoch tut, kommt praktisch zu spät; die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten und schon gar nicht zurückzudrehen.
Das Wesenhafte einer Epoche zeigt sich gewöhnlich im Ungewöhnlichen, in ihren besonderen Ambitionen.
Das Christentum offenbart seinen wahren Charakter in den Kreuzzügen; der Islam findet erst im djihadischen Gegenzug wieder zu sich.
Der wahre Kern der modernen Industriegesellschaft steckt nicht in ihren alltäglichen und normalen Produkten, sondern im außergewöhnlichen Streben über sich hinaus.
Alle technischen Errungenschaften haben diesen Zug an sich, die Natur des Menschen zu überschreiten, ihn zu entwurzeln.
Von Überschreitung zu sprechen, ohne das zu Überschreitende vorauszusetzen bzw. a priori zu denken, ist eher abstrus als folgerichtig...
Dies Abstruse ist zum andern das Wesen und die Wahrheit.
Die Moderne Welt ist von der Idee her - im Entwurf - eine Abstraktion, ein Zerrbild ihrer natürlichen Vorbedingungen.
Anlaufen... beschleunigen... abheben... der Erde entfliehen, das Gesetz Gottes brechen... - ist der ideelle Keim der Moderne, gleichsam ihre Entelechie.
Die Selbstentwurzelung des Menschen - seine «Gottverlassenheit» - ist aber ohne göttliche Hilfe - Sinngabe, Ermutigung - nicht denkbar.
Heidegger sagt: Gott will, daß ich Atheist bin. Gott will, daß ich ihn verlasse; er entläßt mich um eines höheren Zieles willen.
Vielleicht ruht im höheren Ziel ein niederes, in der Himmelsstürmerei die bescheidene Rückkehr.
Die Moderne - ein pädagogischer Umweg ans Ursprüngliche, zum Ursprung...
Gott ließ uns von der Leine - in der Gewißheit, daß wir in freier Entscheidung den richtigen Weg finden werden.
Die Erziehung zur Freiheit ist kein Selbstzweck, sondern Vorbedingung: für die gewissenhafte und mündige Übernahme des von Gott uns Aufgetragenen.
Die Annahme des Schicksals.
In Abwandlung streiten zwei Welten miteinander: der Polytheismus der Antike mit dem biblischen Monotheismus.
Die moderne Welt ist das griechische - prometheische - Erbe, von der Kirche unterdrückt und verfolgt, im Laufe der Jahrhunderte mit dem Christentum philosophisch arrangiert - zum Schaden des biblischen Erbteils.
Das christliche Abendland hat den Sieg der Makkabäer über die Griechen wieder rückgängig gemacht.
Prometheus wurde für seine Anmaßungen von Zeus bestraft; wer straft die Moderne?