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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert
1981-00-00
Der Journalist Michel Lang verließ die Berliner AL, weil ihm die antisemitischen Anpöbeleien langsam auf die Nerven gingen.
Pohrt, Geisel und Schulte mußten ihre Mitarbeit bei konkret einstellen, weil sie nicht mehr schreiben sollten, was sie wollten.
Beim Rotbuch-Verlag sind die Widersprüche so deutlich geworden, daß auch die naivsten Politprogrammierer es nicht mehr vermögen, die "ganze Spannweite von Pohrt bis Huber" durchzuhalten.
Schon der Verlagsprospekt, aus dem ich in kuckuck 31/32 zitierte, sprach für sich, nämlich für diesen Sachverhalt. Daß die letzten Linken das alternative Boot verlassen bzw. bereits verließen, ist nach wie vor richtig.
Nur daß Niels Kadritzke einer von ihnen wäre, hatte ich in der Tat fälschlich nahegelegt. In einem Brief stellt er es nun klar.
Seine Wortwahl kommt mir sehr entgegen. Mir ist es seit Jahr und Tag um die Bloßlegung einer wahrhaft "schwammig-schlampigen Assoziation" zu tun - einer Assoziation von Kräften, denen alle Mittel recht zu sein scheinen, um das gesellschaftliche Klima, das politische Bewußtsein, die politische Moral auch in ihren letztverbliebenen Resten zu vergiften.
Niemals wäre ich auf den Gedanken gekommen, Kadritzke denen zuzurechnen. Auch heute möchte ich ihm, ähnlich wie schon Lothar Baier, einen kräftigen Schuß politischer Naivität zugutehalten.
Noch Ende der sechziger Jahre, erinnere ich mich, verstand er sich als "dialektisch aufgeklärten Positivisten". Jetzt erblicke ich eine Menge Unaufgeklärtheit hinsichtlich der inneren Dialektik einer Sache, der er sich verschrieben hat.
Bei der "ganzen Spannweite", von der Niels Kadritzke spricht, ist es zu tun um jene "seltsamen populistischen Allianzen", von denen vor acht Jahren Giorgio Pellizzi im Kursbuch 36 (und da bereits zu spät, aber immerhin) schrieb, ohne freilich irgendwelche kritischen Resonanzen damit hervorzurufen.
Im Zusammenhang mit den Reaktionen Bahros, Jungks und Strassers auf Pohrts Huber-Kritik im Spiegel stellte ich im vorigen Heft, wie auch schon in der Korrespondenz mit Lothar Baier, diese Koalition mit dem Henker in den Vordergrund. Darüber verliert Kadritzke kein Wort.
Wenn ich einen Faschismus-Verdacht äußere, so, weil ich ideologische oder organisatorische Spuren oder beides in die deutsche NS-Vergangenheit führen sehe, sie also auch nachweisen kann.
Darüber hinaus habe ich Max Horkheimers bekanntes Wort zu Reden und Schweigen von Faschismus und Kapitalismus - "aktualisierend, es dialektisch weiterführend" (in memoriam festgehalten in kuckuck 3, Frühjahr 1974) - für die Linke wieder brauchbar gemacht.
In aller Bescheidenheit:
Wer über den Faschismus, insonderheit den deutschen Nazismus, insonderheit seine psychologischen Merkmale; seine Psycho-Basis, die nach wie vor in Deutschland, im deutschen Volke, und jetzt wieder mit zunehmender Deutlichkeit nachzuweisen: wer darüber nicht reden will, der möge über den Kapitalismus schweigen, gefälligst.
In der alten Horkheimer-Fassung kann den Spruch heute jeder rechtsradikale "System"-Feind verwenden.
Von einem ähnlich "ins Uferlose ausgedehnten Faschismus-Begriff" könnten wir reden, wo die Bundesrepublik als "faschistisches System" bezeichnet und die Hausbesetzer-Querelen mit dem Berliner Senat mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich verglichen werden.
Da wird das kollektive Selbstmitleid dieser Neudeutschen schon ziemlich makaber.
Als ob das Besondere an der deutschen Geschichte etwas mit dem "System" zu tun gehabt hätte, und als ob nicht gerade die Nazis so lange gegen das "System" und die "Systempolitiker" hetzten, bis sie endlich an der Macht waren und ihre "Systemveränderungen" durchführen konnten, bis nichts mehr wiederzuerkennen war.
Reden wir vom Psychosystem, das dem faschistischen System in Deutschland zugrunde lag, reden wir von den psychostrukturellen Voraussetzungen des Nazismus.
Unter anderm.
Auf einmal sehe ich, daß auch dem Kadritzke - wie schon dem Baier, dem Bahro, dem Jungk, dem Strasser - der rechte Bündnispartner näher ist als der linke Kritiker.
Schon jetzt sind die Bündnispartner mitunter kaum noch voneinander zu unterscheiden.
Ich habe nun keine Lust, über so unausgewiesene Positionen groß zu diskutieren...; ... du (nur als Beispiel) sprichst von einem faschistoiden Netznest, von dem aus man (wer eigentlich? sicher nicht Huber, der das gerade ablehnen würde) die Vernetzung des großen Restes (von was?) in Angriff nehmen könne.
Von was? Sicher nicht Huber? Wer eigentlich?
Ich schrieb:
Da hat sich die neue Rechte, nach dem Vorbild der alten, die Gesetze der Demokratie vorgenommen, um sich erst einmal an ihr sattzufressen, das faschistoide Netznest finanzieren und schön ausstatten zu lassen, um hernach von gestärkter Bastion aus die Vernetzung auch des großen Restes in Angriff nehmen zu können.
Die sogenannte Neue Rechte, und ich rechne Huber dazu...
Und ich behaupte, daß sie's selbstverständlich auf die ganze Gesellschaft (den großen Rest) abgesehen hat.
Und selbstverständlich liegt auch Huber die Vernetzung am Herzen. Er schreibt es immer wieder in seinem Buch, und ich fürchte, Kadritzke hat es nur flüchtig gelesen oder aber nur noch die Teile in Erinnerung, die sein Bild vom linken Spektrum nicht trüben können.
Für Huber ist es nämlich wichtig, wer vernetzt, für wen die öffentlichen Mittel ausgegeben werden.
Er schreibt das immer wieder und so deutlich, daß man's eigentlich nur überlesen kann, wenn man's überlesen will, oder wenn man glaubt, ohnehin zu wissen, was der Verfasser meint.
Huber kritisiert die Alternativen, weil bzw. insoweit sie nicht nach seiner Pfeife tanzen. Er hat eine Theorie, er hat ein Weltbild, eine festgefügte Ideologie, er hat die eine oder andere Konzeption zur Realisierung alternativer Projekte. Er sagt, wie man's machen könnte, aber er meint: wenn ihr nicht so macht, wie ich sage, habt ihr keine Chance.
Huber spricht von der "undogmatischen Linken" penetrant wie der SED-Bezirksuntersekretär vom "Genossen Staatsratsvorsitzenden undsoweiterundsoweiter".
Vielleicht hat Niels Kadritzke noch gar nicht gemerkt, daß ihm mit Joseph Huber ein verkappter Dogmatiker über den Weg gelaufen ist.
Freilich kein kommunistischer, kein linker. Aus seinen Denkklischees kommt er ebensowenig heraus.
Huber ist Zentralist und zugleich Dezentralist. Er schimpft - ja, er schimpft - gegen die Zentralen der andern, um sogleich einzuräumen: natürlich, ohne Zentrale geht es nicht.
Die Zentrale, zu deren Sprachrohr er sich nämlich macht, will oder darf er nicht, nicht so ohne weiteres, beim Namen nennen. Aber er behilft sich, indem er Beispiele anführt, die auch uns weiterhelfen.
Ja, ihr habt keine Chance, wenn ihr den Vorschlägen und Empfehlungen nicht folgt, die ich, Huber, euch - nicht zuletzt auch zwischen den Zeilen - zu offerieren habe.
Wenn ihr uns in die Quere kommt, schicken wir euch den Staat auf den Hals, paßt schön auf. Und lest Bruder Josephs Wort zum Montag.
In allen Fällen handelt es sich weniger um Separationsbestrebungen als mehr um Versuche, die eigenen kulturellen und sozialen Wurzeln vor der Ausradierung zu bewahren (17).
Nicht länger widerstandslos hingenommen wird die Infiltration durch die Coca-Cola-Kultur der multinationalen Konsumkirche, die auch Volksbräuche, Trachten und Tänze kommerziell vereinnahmt (17).
Gegenüber der sozialen Vermassung und kulturellen Gleichschaltung werden soziale Eigenarten und kulturelle Vielfalt behauptet (17).
Daß sich die Frauenbewegung gegen die patriarchalische Herrschaft in der Familie und im beruflichen Arbeitsleben wendet, ist ebenso trivial wie bedeutsam. Wenn das Patriarchat das historisch am tiefsten eingegrabene Merkmal dieser Gesellschaft ist, dann entspricht seine Infragestellung auch einer entsprechend tiefgreifenden Infragestellung des gesamten gesellschaftlichen Systems (18).
Deshalb vertritt z.B. Petra Kelly von den Grünen die Auffassung, Ökologiebewegung und Frauenbewegung seien letztlich das gleiche (18).
Die Psychobewegung ist die Revolte gegen den rationalistischen, bloß analytischen und sinnverkürzenden Intellektualismus (20) .
Religiöse Sekten und neuer Spiritualismus befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Psychobewegung (20).
Man interessiert sich für Seher und Propheten. In manchen Kreisen hat auch das Interesse für die Anthroposophie Rudolf Steiners zugenommen. Der Anthroposophie sind ja Mysterien, Engel, Erzengel und andere höhere Wesen ebenfalls nicht fremd, und sie weist geschichtlich eine durchgehende Verbindung zum Spiritualismus der Lebensreform- und Jugendbewegung der Jahrhundertwende auf. Auch okkulte Traditionen werden wieder daraufhin abgeklopft, ob sie nicht vielleicht doch etwas hergeben. Ich kenne Genossen, die sich Horoskope stellen lassen und auch vorm Kartenlegen und Handlesen nicht zurückschrecken (21/22).
Handle es sich um den Positivismus der sogenannten bürgerlichen Wissenschaften oder um den sogenannten dialektischen und historischen Materialismus des späten Marxismus, beide sind in einem instrumentellen und physikalistischen Denken vereinseitigt. Je mehr man die Stoffe unterm Mikroskop sezierte, um so mehr entglitt uns ein Bewußtsein des Seelischen und Geistigen (22).
Zwischen tiefgrünen Umweltschützern, leuchtend lila Sternsuchern, bordeauxrot-lila Feministinnen und kräftig roten Sozialisten liegen nach wie vor Welten von Unverträglichkeit.
Was aber stattfindet, ist ein Diffusionsprozeß, in dem Einstellungen und Ideen quer durch alle Lager sickern, dabei zwar eine unterschiedliche, für das jeweilige Lager charakteristische Gestalt annehmen, aber sich eben doch ausbreiten.
Zum Beispiel haben Rote heute schon mehr Grün und Lila angenommen, als sie wahrhaben wollen. Und es finden Vernetzungen statt, mit dem Ziel einer kritisch-solidarischen Zusammenarbeit.
Denn wenn überhaupt, können Minderheitsströmungen nur in breitangelegten Bündnissen politisch etwas durchsetzen.
Sichtbarer Ausdruck für diesen Diffundierungs- und Vernetzungsprozeß waren in den letzten drei Jahren die Gründungen der verschiedenen Netzwerk Selbsthilfe und bedeutsamer noch die Gründung der Tageszeitung (taz), für gewisse linke Kreise auch die Tageszeitung Die Neue, dann die Bildung der bunten und alternativen Listen zur Beteiligung an lokalen bzw. regionalen Wahlen, schließlich auch die Gründung der Partei Die Grünen zur Bundestagswahl 1980 (26/27).
Selbst leichtbraune Blut- und Bodentöne und altrote ZK-Scholastik können hier, wenn auch in manierlich aufgeputzter Form, mit von der Partie sein. Ob ein solches Bündnis von rechten bis linken Grünen auf Dauer zusammenhalten kann, wird sich noch zeigen müssen (27).
Letztlich gibt es aber wohl überhaupt kein objektives Kriterium der Zugehörigkeit zur Alternativbewegung.
Es gibt das subjektive Kriterium auf Gegenseitigkeit, sich durch ideelle und praktische Teilhabe zugehörig zu fühlen und von nahestehenden Leuten und Gruppen als zugehörig betrachtet zu werden.
Die Alternativbewegung der Projekte kann wohl nur verstehen, wer das breite Spektrum von politisch-weltanschaulichen Strömungen erkennt, in dem sie angesiedelt sind - und der Entwicklung ihre Freiheit lassen kann nur, wer diesen bunten Pluralismus auch anerkennt.
Der bunte Pluralismus der Alternativbewegung ist ein Schatz an Philosophie und Lebensmöglichkeiten.
Wer diesen bunten Pluralismus nicht toleriert und irgendwelche historisch besserwisserischen Alleingeltungsansprüche stellt, bestiehlt diesen kollektiven Reichtum (27/28).
Eines tut not bei der Metamorphose des buntesten der Pluralismen, in diesem "Diffusionsprozeß", diesem Prozeß einer schleichenden Faschisierung, wie ich das nenne:
Jede rationale Kritik, und die käme ja hier nur von einer theoretisch halbwegs fundierten Linken, muß rechtzeitig ausgeschlossen werden, "irgendwelche historisch besserwisserischen Alleingeltungsansprüche".
Ja, in solcher schwammig-schlampigen Assoziation (Niels sei Dank!) läßt sich's dann gut im Drüben fischen.
Was die patriarchalische Vernunft ohnehin nicht begreifen kann, lesen wir aus Karten und in Unschuld gewaschenen Händen.
Ein gut gestelltes Horoskop verrät uns, ob wir Aussicht haben, uns "zugehörig zu fühlen und von nahestehenden Leuten und Gruppen als zugehörig betrachtet zu werden".
Der Fühler für derlei Gefühle reicht jedenfalls nicht aus.
Niels, ich verstehe dich auch nicht mehr.
Wie gesagt, ganz muß man den Huber Joseph lesen. Sein Antiintellektualismus, sein Antirationalismus, so viel weiß er als Intellektueller, steht ihm nicht gar so gut zu Gesicht, daß er sich bei Gelegenheit nicht wieder davon freimachen möchte.
Da entdeckt er den Mythos von der Hände Arbeit:
Häufig wird dieser Handwerksmythos unterstrichen durch einen prätentiösen Antiintellektualismus und die Zurschaustellung theorieüberdrüssiger Bekennergesten (30).
Als Prophete in der Mitten hängt er immer dazwischen. Den Verständigen droht er mit "Seele und Geist", den Handwerkern mit theoretischem Verstand.
Die in diesen Blättern zur Genüge aufgetischten Sowohlalsauchwedernoch-Opportunismen prädisponieren ja vorzüglich für jene "Scharnier"-Politik und Antichambrierpraxis zwischen den Sessellüftern und der Straße, denen Huber wechselweise Dampf machen möchte.
Nur ist Huber, andern Dampf zu machen, wahrscheinlich gerade nicht der richtige Mann.
Auf Schritt und Tritt begegnet er der Zwielichtigkeit:
Aber die Arbeiter-Selbsthilfe Stuttgart ist keine Selbsthilfe von Arbeitern, sondern ein Sozialfürsorgeprojekt von Sozialarbeiter(inne)n für Obdachlose mit Obdachlosen.
Auch die Arbeiterselbsthilfe Frankfurt entwickelte sich aus einem Jugendsozialhilfeprojekt für und mit Rockern.
Ebenso ist die Fabrik in Berlin keine Fabrik, sondern, wie die genauere Bezeichnung lautet, ein Verein für Sport, Kultur und Handwerk, in dem sportliche, künstlerische, politische und sonstige kulturelle Freizeitaktivitäten bis heute eine größere Rolle spielen als das Handwerk.
Die Berliner Tanzfabrik schließlich ist noch weniger eine Fabrik, sondern natürlich ein ästhetisches Institut (30).
Ich sage ja, man muß die Gesetze erst mal kennen, um an die Subventionen auch wirklich ranzukommen.
Kultur, Sport, Soziales... Kapiert?
Arbeiter, die sich selber hülfen... Arbeiter sollen arbeiten! Ist das endlich klar?
Der Etikettenschwindel hilft also auch dem "System", diesen Tatbestand ein wenig zu verschleiern.
Unheiliger Consens!
Erkennt er sich wieder? Wo Huber von dem "Vorzug" spricht,
eine wünschenswerte Welt symbolisch vorwegzunehmen - Sonne und überhaupt die Sonne und Sonnenblumen, Wind- und Fahrräder, die Spitzhacke und den Gärtnerhut, und alle Farben des Regenbogens,
halt alles aus der Lebensreform- und Jugendbewegung der Jahrhundertwende (der vorigen!) -,
vorwegzunehmen, anstatt Relikte der Vergangenheit wiederzubeleben (31)?
Mit den "Relikten", den natürlich längst überholten, meint er alles, was irgendwie mit Marx und seinen Theorien zu tun haben könnte.
Seine eigenen Relikte sind "Vorwegnahmen", sozusagen Erinnerungen an die Zukunft, ich sage: Wiederheraufbeschwörung der dunkelsten Vergangenheit, die Deutschland und die Welt je erlebt haben.
Vorwegnahmen ereigneten sich indessen auf ganz andere Weise.
Künftige Sozialkonflikte - echte! - wurden experimentell vorweggenommen. Friedens- und Konfliktforschung nennt man so was, glaube ich. Die Bewegungen boten ein weites Feld.
Huber hat an den Subkulturellen ein Zuviel an Spontaneität beobachtet, lese ich aus allem heraus. Damit würde er mehr über sich als über jene aussagen. Ihm ist manches ökonomisch nicht rational, nicht effizient genug. Er möchte das ordnen, beschneiden, reduzieren. Das unterscheidet uns.
Ich beklage einen Mangel an Spontaneität, ein Zuviel an Organisation und ideologischem Gleichtritt. Daher auch die Hilflosigkeit, die Konfusion, das eklalante Fehlverhalten angesichts wirklicher Konflikte und konkreter Gefahren. Daher zogen 300.000 gegen ein Phantom zu Felde und nach Bonn und rührte sich nichts nach den Massenmordanschlägen in Bologna, Paris und München, nichts gegen das russisch-deutsche Komplott gegen die polnische Arbeiterdemokratie, keine Solidarität mit Solidarnosc. Vernehmlich nichts. Das ist zwar politisch und nicht ökonomisch... Eben.
Hier wird nicht "in der unsinnigsten Weise interpretiert", und so zufällig oder "fahrlässig" in der "Formulierung" und absurd, wie Kadritzke es nun hinstellen möchte, sind die Ausrottungsüberlegungen Hubers, auf die Pohrt sich berief, für den Gedankenhaushalt eines Neuen Rechten ganz und gar nicht. Wir kommen darauf noch zurück, wo wir uns des näheren mit den "sozialpädagogischen" Theorien Professor Gunnar Heinsohns aus Bremen beschäftigen werden.
Die Vernichtung der Arbeiterklasse, im engsten Sinne von Proletariat, ist durchaus vorgesehen, und an einige Formen dieses längst ablaufenden Prozesses haben wir uns gewöhnt.
Daß die sogenannte Arbeitslosigkeit wenig mit Arbeitsmangel und viel mit Mehrarbeit für die Weiterbeschäftigten zu tun hat, geht dem einen oder anderen schon auf.
Vernichtung durch Arbeit als Möglichkeit sozialer Regulierung ist auch nach 45 nicht prinzipiell aufgegeben worden. Und anderes mehr. Natürlich wird nicht, noch nicht wieder, so offen darüber gesprochen. Trotzdem wollen wir eventuelle Freudsche Fehlleistungen hier nicht überbewerten.
Wenn Huber die sogenannte Alternativbewegung mit der alten Arbeiterbewegung vergleicht (47), so als wäre sie die analoge "Jahrhundertbewegung, aber aufgrund der heute völlig veränderten Klassenverhältnisse", findet Kadritzke das wohl ganz in der Ordnung.
Aber der Vergleich mit dem germanischen Nazismus stört seinen Seelenfrieden.
In der Tat war diese Alternativ-Ökologie-Friedens-...-Bewegung ständig bemüht, die breite Öffentlichkeit auf links zu fixieren, wo fehlerfrei rechte, nationalistische, ja nationalsozialistische Politik inszeniert und der Humusboden einer künftigen Massenbasis in diesem Sinne fast makellos kultiviert worden ist.
Diese "Bewegung" hat eine politische Funktion, und ihre Vorstellungen beruhen auf strukturellen Bedingungen, die eigentlich keiner mehr in Frage stellt.
Die Geschichte mit der Dualwirtschaft ist ein alter Gärtnerhut, mit dem Huber "vorwegnehmen" möchte, wogegen wir uns zu wehren haben werden.
Der Negativ-Fetischismus gegen Phantome wie "Megamaschine", Selbstverständlichkeiten wie "Wachstum" richtet sich vordergründig natürlich gegen den Industrialismus, insoweit dessen Prozesse und Produkte mitunter tatsächlich wahnhaften Charakter angenommen haben.
Nur ist der Standort, von dem aus diese angeblich überrationalisierte Produktionsgesellschaft kritisiert und politisch angegangen werden soll und wird, nun wirklich der letzte, der - was historische, gesellschaftspolitische, aber auch sachliche Kompetenz anbetrifft - dafür ernsthaft in Frage käme.
Wohlgemerkt: Joseph Huber kennt die "Psychodramatik" in den Tiefenbereichen der Subkultur (51).
Mit Okkultismus, Kartenlegerei, Feminismus und dergleichen kann man eine Zeitlang die Geister verwirren, und darauf ist die ganze Sache angelegt.
Der im Kapitalismus vielleicht integrativ mögliche und, wie Kadritzke meint, "willkommene Reparatur- und Parksektor" ist vergleichsweise liebenswert und harmlos.
Was sich da als "Alternative" anbietet, ist schlimmer, ist gefährlicher, weil sehr viel undurchsichtiger und verlogener als der Kapitalismus. Unter den gegebenen Umständen gilt das Motto aus der Zeit des Widerstandes gegen Hitler: antifascism first!
Meine fixe Idee, nicht wahr?
Der Trick mit der Dualwirtschaft beruht auf folgendem:
Glücklicherweise umfaßt das System nicht die ganze Gesellschaft, wenigstens noch nicht, und die Arbeit, die im Rahmen des Systems geleistet wird, ist nicht die ganze gesellschaftliche Arbeit. Es ist, genauer gesagt, noch nicht einmal die Hälfte. 1975 entfielen beispielsweise in Frankreich 43% der gesamten Stundenzahl, welche die Bevölkerung mit Arbeit verbringt, auf berufliche Erwerbstätigkeit, aber 57% auf Arbeit außerhalb der Megamaschine, vor allem auf Hausarbeit, Gartenarbeit, Freizeit-Arbeit, Nachbarschaftshilfe, ehrenamtliche Tätigkeiten u.ä (38).
Man hat seither nur einseitig auf das Bruttosozialprodukt gesehen, und seither gelten die privaten Haushalte zunehmend nur noch als Konsumvollstrecker, als Schatten der Unternehmens- und Staatshaushalte. In Wirklichkeit blieb die ganze Wirtschaft desungeachtet eben doch zu jeder Zeit eine duale Wirtschaft, das heißt, es gibt auf der einen Seite die Arbeit im System, die den sog. institutionellen Sektor bildet (auch formeller Sektor genannt), und auf der anderen Seite die Arbeit außerhalb des Systems, die den sog. informellen Sektor bildet (39).
Betrachtet man jedoch im Sinne einer Technokratie- bzw. Systemkritik die ganze Wirtschaft, stehen die Alternativprojekte im genauen Mittelpunkt des Geschehens, nämlich dort, wo die duale Struktur der Wirtschaft ihren Drehpunkt hat, im Übergangsfeld zwischen dem informellen und dem formellen Sektor (42).
Vor der Wegegabelung, an der sich unsere Zukunft entscheidet - weitere Systemausdehnung verbunden mit der weiteren Zerstörung des informellen Sektors und der sozialen und natürlichen Umwelt, oder Systembegrenzung verbunden mit einer besseren balancierten Dualwirtschaft oder einer ungleichgewichtigen Doppelwirtschaft -, nehmen die Alternativprojekte eine strategisch zentrale Position ein. Oder sagen wir besser, sie können sie einnehmen. Sie können nicht unbedingt die Gewichte bestimmen, die auf die formelle und die informelle Seite der Dualwirtschaftsschaukel gebracht werden, aber sie können der Keil sein, von dessen Stellung abhängt, wer seine Gewichte auf den kürzeren und längeren Hebel legt (43).
Nach taoistischer Auffassung schwimmen Fische nicht gegen die Ströme, sondern zwischen ihnen. Wir können weder zum Angriff noch zum Gegenangriff blasen. Aber wir können an der Drehtür ziehen, wenn sie drücken, und drücken, wenn sie ziehen. Vielleicht fällt Goliath dann auf die Nase (43).
Keil, Hebel, Schaukel, Scharnier, Drehtür... Zuletzt fällt einer auf die Nase (vielleicht). Vor uns die "Wegegabelung, an der sich unsere Zukunft entscheidet"... (Hast du das lektoriert, lieber Niels?) Reichlich aus dem "Handwerksmythos" geschöpft, alter Wanderbursche, ertappt hat ihn keiner.
Wenn der System-Goliath zieht und Alternativ-Huber drückt, oder jener drückt und Huber zieht: jedesmal macht Huber Goliaths Arbeit, dient er dem System, indem er dessen Prozesse beschleunigen hilft. Hat Goliath das erst einmal mitgekriegt, kann er gezielt Energien einsparen...
Ist es nicht "taoistische Auffassung", daß einer seine Tricks nicht verraten sollte? Huber macht mit seinen Hausfrauen, Rentnern, Jugendlichen, denn sie bevölkern den informellen Sektor, vor allem Front gegen die Produzenten, die Arbeiter in der Megamaschine, im System, er treibt seinen "Keil" in die Arbeiterfamilie, zwischen Frau und Mann, Sohn und Vater, schwächt mit seinem "Hebel" die klassenpolitische Widerstandskraft des Arbeiters, macht den Proleten schwindeln mit all solcher "Schaukel"-Akrobatik...
Hubers Potenzwünsche in Ehren. Er macht Front gegen die Einheitsgewerkschaft. Für beides kann es gute Gründe haben. Aber um als Mittelklässler gegen die Proleten Partei zu ergreifen, bloß so, brauchte Huber den Umweg über die Alternativen nicht.
Wenn ich in Deutschland "klassenpolitische Widerstandskraft des Arbeiters" schreibe, bin ich für die Nähe zur Satire nicht blind. Huber macht es sich also unnötig schwer. Er könnte der CDU beitreten.
Aber dafür hängt er vielleicht schon zu matt in den Seilen, oder zu leicht in der Luft, zu hoch in den Wolken.
Die Rudolf-Steiner-Jünger wissen, warum sie incognito reisen - "aufgrund der heute völlig veränderten Klassenverhältnisse" (47).
Was zählt - ob links, ob rechts: daß einer gegens "System" rumort, denn der ist "progressiv"!
So jedenfalls nach der Definition Rolf Schwendters (70). Auf ihn kann sich jeder Neonazi - selbst der dümmsten einer, die mit Runen und Kelten- oder Hakenkreuzen herummarschieren - berufen.
Wir kennen die Ideologie des Dritten Weges. Auch das "Modell des Unternehmensverbandes Dritter Weg in Achberg" (49), das Huber als ein schönes Beispiel für "solidarische Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung im Rahmen gemeinsamer Absprachen" hervorhebt, ist vor allem als Ideologieträger und Organisator links-rechter Kontakte und Kooperationen bekannt geworden, nicht zuletzt auch mit freundlichen Spendenaufrufen an die mittelständische Unternehmerschaft.
Das Schlüsselemblem INKA (für Internationales Kulturzentrum Achberg) ist irgendwann wieder aus der Firmierung verschwunden, nachdem der kuckuck auf die besondere Funktion der Indianer-Imago im Bildschatz der Neuen Rechten aufmerksam gemacht hatte.
Rolf Schwendter, Schauspieler und Scharlatan, hatte mit seinen "Modell"-Konstriktionen so lange in Denk-Labyrinthe verleitet, bis er sicher sein durfte, der Erlösungsfaden nach Achberg würde jetzt nur noch mit großer Freude ergriffen. Da half kein kuckuck.
Die organisierte Irreführung hat so gute Frucht getragen, daß die größte Zumutung an den Leser abgehen kann, offensichtlich, ohne daß der sie überhaupt empfängt.
Die Zwischenmenschen, zu denen auch Huber sich zählt,
wissen individuelle Rückzugs- und Verschnaufmöglichkeiten ebenso zu schätzen, wie das Unterscheiden zwischen Arbeits- und Wohnbereich - als zwar miteinander zu verbindende, aber nicht miteinander zu verwechselnde Welten (99).
Ich weiß, die Kreuzberger "Mieterberater" und selbsternannten "Kiezsprecher" wohnen gern in Zehlendorf.
Sie wollen lieber auf vielen Hochzeiten zugleich tanzen und überall mit von der Partie sein, auch wenn sie sich dadurch fast ständig überfordern. Positiv gewendet zeigt sich in dieser ständigen Mißachtung und Überschreitung der eigenen Grenzen indes nichts anderes, als ihr schöpferischer Pioniergeist.
Wer immer strebend sich bemüht... Das würde heute zwar niemand sagen, aber hinter ihrer Abweisung des Gipsgoethe aus der Oberschule sind die Intermediären in einem unvoreingenommenen Sinn ganz und gar Geistesmenschen und Bildungsbürger - aufgeklärte Citoyens.
Ihnen gehen immer wieder neue Lichter auf, auch wenn der Wind der Geschichte die meisten davon gleich immer wieder ausbläst. Das macht ihnen wiederum nicht allzu viel aus, denn sie wissen, daß ihnen letztlich kaum etwas verlorengeht, weil sich bei ihnen die Dinge immer wieder zusammenfinden (99/100).
Denen könnt Ihr vertraun. Und Gruppenprobleme... Da ahnt Huber die latente Hierarchie etwa
zwischen Führer- und Mitläufernaturen, zwischen überzeugenden Persönlichkeiten und Autoritätsgeschädigten (54).
Was er den Alternativen letztlich vorwirft, ist, daß sie in manchen Dingen wirklich alternativ sind: sie machen dann alles, was sie machen wollen, auch wenn sie's noch nicht können. Aber so lernt man ja, nicht zuletzt aus den Fehlern. Huber schwebt da denn doch eher so etwas wie eine berufsständische Gliederung vor (vgl.66f.).
Einerseits:
Die politische Infrastruktur ist ein Relikt aus der Denkwelt von Zentralstrategen... (57).
Anderseits:
Ohne gemeinsame Zentraleinrichtungen allerdings muß die Lage der Basiseinheiten disparat bleiben. Unvernetzt sind die Alternativprojekte auch politisch nicht tragfähig (57).
Darum zeichnet Joseph Huber nämlich auch als Mitbegründer von Netzwerk Selbsthilfe (4).
Niels Kadritzke schreibt in seinem Brief:
"Wenn in der Linken kein Prozeß zustandekommt, in dem (meinetwegen auch schwächer begründete) ökologische und sozialistisch-marxistische Positionen sich aneinander abarbeiten, ohne sich als faschistisch zu denunzieren, dann wird eh nix zu machen sein. An einem solchen Prozeß aber will Rotbuch nach wie vor mitwirken, und ich finde das nach wie vor sinnvoll. Nur habe ich erkannt, daß Leute wie Pohrt (und ich befürchte: wie du) in diesen Prozeß zwar ihre Positionen passiv einbringen können, mit sehr viel Nutzen für andere, die darüber nachdenken, daß solche Leute aber selber nicht in der Lage sind, aktiv in diesem Diskussionsprozeß mitzumachen und sich dabei selbst in Frage stellen zu lassen. Denn das setzt voraus, erstmal andere Positionen zur Kenntnis zu nehmen und sich genau und konkret mit ihnen auseinanderzusetzen, statt sie einfach mit assoziativen Begriffen abzuschmettern.
Wohlgemerkt: das hat nix zu tun mit einer scharfen Kritik von faschistoiden Ansätzen und Gruppen, die sich im Bereich der Grünen tummeln. Da bin ich selbst gnadenlos, und es ist überaus wichtig, die zu entlarven. Übrigens auch für Huber selber. Aber eine pauschale Denunziation ökologischen Denkens als faschistoid hat mit dieser notwendigen Auseinandersetzung nichts zu tun, im Gegenteil: sie behindert diese, verwischt die Fronten und ist damit schädlich für die Linke.
Huber vertritt eine Position des Dritten Weges, wie er sich ideologisch und politisch-konzeptionell aus dem Umkreis nationalkonservativ-neutralistisch-nationalsozialistischer Bestrebungen à la Strasser, Schenke, Haußleiter, Niekisch herleitet, den ich begrifflich als "neue" Rechte zusammenfasse, weil er sich zum Teil auf, gleichwohl faschistische Gegenpositionen zu Hitler berufen kann.
Auch wenn der einst völkische und NS-begeisterte Pastor Niemöller später Hitlers Gefangener war (vgl. stern 2/82), so sagt seine Nachkriegsaktivität in der Pazifismus-Bewegung allenfalls etwas aus über die Täuschungen, denen man hinsichtlich Niemöllers politischer Vorstellungswelt erliegen konnte. Bei Gollwitzer ist es ähnlich.
Der Dritte Weg ist in einem umfassenden Sinn intermediär; so umfassend und gründlich, daß ihm die intimsten menschlichen Bereiche nicht verschlossen bleiben; gründlicher, als Huber es in seinem Buch (Wer soll das alles ändern. Rotbuch 229) sagen wollte oder konnte.
Der Dritte Weg ist zuvorderst politisch; er ist zugleich - bis ins Quasi-Religiöse - weltanschaulich umrahmt und durchsetzt allentbalben. Man wird ihm, auch seinem Eigenverständnis nach, nicht gerecht, wenn man das eine bedenkt, ohne das andere zu berücksichtigen. Als wichtigste Merkmale möchte ich hier festhalten:
1. Mittelschichtorientierung - anti(groß)kapitalistisch und antiproletarisch ("Klassenlosigkeit").
2. Neutralität zwischen den "Blöcken", aber auch "kultur"politisch zwischen "West" und "Ost"; anti-internationalistisch.
3. Nationalkapitalismus, der in seinem Krieg gegen das "multinationale", d.h. das internationale Kapital, insbesondere gegen das "anonyme" internationale Finanzkapital, gern als "antiimperialistisch", ja in seiner Hochform als "nationalrevolutionär", als "nationalsozialistisch" oder ähnlich mißverstanden wird und mißverstanden werden soll, mißverstanden werden will; darauf beruht ganz offensichtlich seine Anziehungskraft auf die "Massen".
Sein eigener imperialistischer, konterrevolutionärer, antisozialistischer Klassencharakter wird nicht mehr durchschaut. Die angestrebte Totalmobilisierung "des Volkes" - klassenunabhängig - läßt eine innere Kritik grundsätzlicher Natur nicht mehr zu. Das verleiht der Nation die geballte Kraft und macht sie blind.
4. Anti(Rom)klerikalismus, Antijudaismus verbinden und verbünden sich (potentiell) mit dem Atheismus eines Teils der traditionellen Linken. Was politisch der jeweils aktuellen Opportunität folgen mag, gewinnt - ideologisch, weltanschaulich - seinen mysteriös-mystischen Charakter in der national-kollektiv nach innen gekehrten Abgeschlossenheit gegen die übrige Welt.
5. Ökonomisch begründeter Antijudaismus fand früh Eingang in die "sozialistische" Literatur - sicherlich ein Erfolg jenes von Huber begrüßten "Diffusionsprozesses", "... in dem Einstellungen und Ideen quer durch alle Lager sickern, dabei zwar eine unterschiedliche, für das jeweilige Lager charakteristische Gestalt annehmen, aber sich eben doch ausbreiten. Zum Beispiel haben Rote heute schon mehr Grün und Lila angenommen, als sie wahrhaben wollen".
Zwerenz schrieb sein Abraham-Buch, Faßbinder machte einen Film daraus. Der jüdische Häusermakler und Spekulant spukt seither in den Köpfen mancher Hausbesetzer.
Jeder Alternative weiß heute schon wieder, daß das internationale Finanzkapital "hauptsächlich in jüdischen Händen" ist. Originalton.
Oder kennt Kadritzke die näheren Umstände nicht, die zu Michel Langs Austritt aus der Berliner AL führten - und was darauf folgte?
Klärt doch mal die Eigentumsverhältnisse hinter jenen besetzten Häusern, die, etwa von der Neuen Heimat, treuhänderisch verwaltet werden! Ich kann nicht alles allein machen. Mir fiel nur der verhältnismäßig hohe Anteil solcher Objekte auf... Und - welche man in Ruhe ließ.
6. Antiintellektualismus, Antirationalismus, Antiuniversalismus sind selbsterhaltend-notwendige Ingredienzen einer Lebens- und Weltanschauungs-Bewegung, die im wesentlichen auf Täuschung und Selbsttäuschung beruht.
7. Pseudowissenschaftlichkeit (etwa "Geisteswissenschaft" der Anthroposophen, Ökologie, "ökologisches Denken") verhalf auch dem Biologismus zu einer Wiederauferstehung in der einen oder anderen Form, und sei's als Abwehr von Attentaten auf Bio&Gen durch jüdisch-amerikanische Neutronenbomben. Unterm weiten "Friedens"-Rock fällt gar nichts mehr besonders auf.
8. Obskurantismus. Es wäre an der Zeit, daß sich Leute wie Kadritzke eingehend mit der Analyse soIcher Weltanschauungen befassen, deren Randbestände ich aus Huber-Zitaten aufgereiht habe. Vor allem sind die im allgemeinen unausgesprochen bleibenden ideologischen Hintergründe zu sondieren, aus denen hervor die jeweiligen Praxisempfehlungen, Modellvorschläge etc. überhaupt erst verständlich werden.
9. Feminismus. Petra Kelly trifft die Wahrheit, wenn sie die ganze Ökologiebewegung mit der Frauenbewegung identifiziert. Der Feminismus ist der Schlüssel zum Verständnis der ganzen "Bewegung", unter welchem Namen auch immer.
Mit der Gründung des Aktionsrats zur Befreiung der Frauen begann die Zerstörung der Linken, erfolgte der erste frontale Angriff auf linke Theorie.
Der kollektive Ehekrieg (ein seit Jahrtausenden bekanntes und "bewährtes" Mittel) zerbrach nicht nur den SDS, er zerstörte schließlich auch die einzige relevante linke Zeitschrift von Format und Auflagenhöhe her: das alte konkret.
Die gezielte Irritation - schon früh verbunden mit sich neu installierenden Informations- und Desinformationsstrukturen - förderte in starkem Maße auch die Kriminalisierung linker Gruppierungen.
Wer nicht mehr weiß, was er denkt und tut, wird leicht das Opfer seiner Feinde, die sehr wohl wissen, was sie denken, tun und wollen. Die besondere Anfälligkeit gerade der deutschen Linken für allerlei Verführungskünste steht auf einem anderen Blatt, genauer: auf selben Blattes anderer Seite.
Der Feminismus, in seiner vielschichtigen Bedeutung, entfaltet sich ungestört. Ich kann nur immer wieder staunen, wie wenig bekannt die ideologische Verwandtschaft mit dem nordisch-germanischen Mythus der NS-Rassisten ist.
Diese Zusammenhänge werden überhaupt nicht in Betracht gezogen. Nicht als Problem. Dafür gibt es eigentlich nur zwei Erklärungen: Man ist so dumm, es nicht zu sehen, oder man will es nicht sehen, nicht sehen lassen, die andern für dumm verkaufen.
Beides trifft unsere Wirklichkeit. Das elitäre Bewußtsein der "Eingeweihten" legitimiert sich gleichsam aus dieser seiner Funktion. "Le silence est fasciste", befand Jean-Paul Sartre.
Ich interpretiere nach feministischem Selbstverständnis. Die ideologische Feminisierung ist identisch mit der Irrationalisierung, der psycho-mentalen Verwirrung: die Kinder (Schüler) werden praktisch von ihren Lehrern (Vätern) getrennt. Patriarchat, das ist jüdisch. Ratio, das ist jüdisch. Und "Führernaturen" füllen das Vakuum mit ihren "Diffusionen"...
"Wiedererwachen"...? Hitler hatte gesagt, wenn wir den Krieg verlieren, sind wir eben die niedere Rasse. Die deutschen Männer haben ihn verloren, sie haben versagt, also sind sie die niedere Rasse. Laßt jetzt mal die Herrinen ran...
Unter dem Siegel "Feminismus" lassen sich wieder Dinge sagen, Gedanken denken, aussprechen, aufschreiben und verbreiten, die sonst kein Mensch (homme = Mann), falls er überhaupt darauf käme, zu denken, sagen, schreiben wagte, weil er weiß: das würde ihn sofort ins Unrecht setzen, würde ihn mit einem unabwaschbaren Makel bedecken, im Bewußtsein, in den Augen seiner Umwelt (!) - selbst in Deutschland.
Ja, selbst in Deutschland müssen sie sich tarnen. Das macht ein winzig wenig hoffen. Und es gelingt ihnen mit so einfachen Mitteln. Da läßt du alle Hoffnung gleich wieder fahren.
Das besondere Interesse des nationalen Kapitals, das Interesse bestimmter deutscher Industriezweige und Bankkreise an der Friedensbewegung, an deren näheren und weiteren Implikationen, wird auf seiten derer, die sich diese Fragen eigentlich höchst angelegen sein lassen müßten, gar nicht erst diskutiert.
Da bringen einen die Wirtschaftsteile der einschlägigen Zeitungen wirklich weiter. Die liberalbürgerliche Einheitsfront der Pressekommentatoren zur Verteidigung des Jaruzelski-Putschregimes, des letzten, wie sie fürchten, Garanten für die Sicherung des ostpolitischen Kuhhandels (pardon! lieber Niels), spricht schon Bände.
Das deutsche Kapital hat innerhalb der westlichen Allianz keine Chance, seine eventuell verbliebenen imperialistischen Ziele noch einmal fest ins Auge zu fassen. Ganz anders unter außenwirtschaftlichen und außenpolitischen Bedingungen, wie sie - massenmotivierend - mit der sogenannten Friedensbewegung angestrebt bzw. bereits genutzt werden.
Die Sowjetunion hat - wirtschaftlich und ideologisch - den Frieden verloren. Sie braucht Krieg, um ihre Position weltweit wieder zu festigen. Aber sie will diesen Krieg nicht. Sie droht damit, sie spielt mit der Drohung. Wenn die Deutschen ihr entgegenkommen, könnte der Krieg verhindert, der Frieden gerettet werden.
In der deutschen Wirtschaft, der industriellen Kapazität Deutschlands, seinem technologischen Know-how, sieht die Sowjetunion den Rettungsanker für ein Regime, das mit seinem Latein am Ende ist.
Das deutsche Kapital ist dazu ausersehen, das Antiarbeiter- und -bauernsystem wieder auf die Beine zu bringen, es flott zu machen für die Jahrhundert- und Jahrtausendwende; für eine absehbar-unabsehbare Zeit den Völkern, d.h. den Arbeitern und Bauern Osteuropas die Hoffnung auf ihre Befreiung, den Impetus und den Mut zu ihrer Selbstbefreiung wieder zu nehmen. Die historische Lieblingsrolle der Deutschen...
Zwischendurch spielt die Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten: es könnte nämlich auch über die Köpfe der Deutschen hinweg etwas "Neues" zustande kommen... Ein Druckmittel neben anderen. Es geht doch um Deutschland, das hierin, wie ambivalent auch immer, seine historische Chance erblickt: vom wirtschaftlichen Riesen nunnehr endlich auch zum weltpolitischen Riesen sich mausern zu können.
Die Friedens-Ökologie wird plötzlich zu einem Begriff mit neuartigem Inhalt. Daß die blauäugige Ökologiebewegung sich noch einmal als kollektiver Dienstbursche einer Megamaschine wiederfinden würde... Da hatte doch wieder der Teufel seine Hand im Spiel, oder...
Die machtpolitische Logik in dieser deutsch-russischen Interessenkonvergenz ist die eine Seite. In proletarischer Sicht bildet sich da eine erfahrungsgemäß arbeiterfeindliche, vor allem aber antiaufklärerische Allianz heraus, die in Europa alle Lampen ausgehen lassen möchte. Das ist die andere Seite.
Nimm dies, lieber Niels, als meinen Diskussionsbeitrag, den ich aber nicht "passiv einbringen" möchte; es ist vielmehr dies meine Art, "aktiv in diesem Diskussionsprozeß mitzumachen".
Diesmal kommt mir dein Sprachgebrauch allerdings nicht entgegen. Du sagst, daß unsereins zwar seine "Positionen passiv einbringen" könne, ja "mit sehr viel Nutzen für andere" (dankeschön, dankeschön), "die darüber nachdenken" (ich bitte darum!), "daß solche Leute" (wie also zum Beispiel auch ich) "aber selber nicht in der Lage sind, aktiv in diesem Diskussionsprozeß mitzumachen und sich dabei selbst in Frage stellen zu lassen".
... passiv einbringen... aktiv... sich... in Frage stellen... lassen...
Ein bißchen verdreht, finde ich.
Aber du meinst gar nicht "passiv", sondern destruktiv, meinst nicht "aktiv", sondern konstruktiv.
Es soll nicht bloß - negativ - kritisiert und herumgemäkelt werden, es sollen endlich auch positive Vorschläge, vielleicht ein paar Modelle, wie Schwendter sie unermüdlich produzierte und reproduzierte, aufs Tapet kommen, nicht wahr.
Das meinst du sicherlich. Damit kann ich leider nicht dienen.
Wo so viele Wolken sich zusammenziehen, braucht's erst einmal Wind. Das sagt mir mein ökologisches Feingefühl.
Und was die "anderen Positionen" anbetrifft - man solle "sich genau und konkret mit ihnen auseinandersetzen" usw. -, will ich dir sagen, daß ich seit Jahren nichts anderes tue als eben dies.
Ich habe dir den Ball drum auch gleich wieder zurückgegeben.
... sich aneinander abarbeiten..., nicht schädlich für die Linke?
Dabei hat sich die linke Seife verbraucht. Daher der linke Duft, der "linke" Schaum am Körper der Rechten...
Sag mal, seid Ihr von allen guten Geistern verlassen?
kuckuck 33/34
1981/1982, Herbst/Winter
22. Januar 1982
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Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
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