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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Buchausgabe:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 2. Klärungen, Rückblicke und neue Fragen
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1981-12-14
bis
1982-07-22

Horst Lummert
Christoph Marx

Zum Velikovsky-Komplex

Briefe (I)

Horst Lummert an Christoph Marx:

Zur Sache selbst möchte ich ein paar Anmerkungen machen:

Bei dem Interdisziplinären Studienkurs ging es doch um "Die Dialogsituation zwischen Theologie und Naturwissenschaft, verdeutlicht an dem neu aufgeflammten Disput um die Evolutionslehre", so jedenfalls lautete Prof. Becks Thema zur Einführung in den Dialog. In Ihren Briefen (an Beck) argumentieren Sie expressis verbis vom (sagen wir, aufgeklärten) naturwissenschaftlichen Standpunkt, in besagtem Zusammenhang mithin gegen die Theologie. Dabei dient Ihnen Velikovskys Rekonstruktion der Geschichte als Ausgangsbasis.

Velikovsky freilich hebt gerade die Lehren, Theorien und Hypothesen der etablierten Wissenschaften aus den Angeln, indem er gegen sie die Bibel ins Feld führt. In der Tat sind es die alten hebräischen Schriften, die ihm die Möglichkeit vermitteln, auch die Überlieferungen aus anderen Kulturen historisch einzuordnen, eben weil die biblische Tradition als Tradition, in einem geschichtlichen Prozeß unterwegs sich versteht. Geschichte, als zwischen zwei kosmischen Katastrophen sich ereignend, wird damit identisch mit dem jeweiligen Weltalter.

In diesem größeren Zusammenhang wird unsere moderne Wissenschaft zu einer kurzfristigen Mode, die in sich noch mehrmals sich verjüngt und erneuert, ohne doch, im Ganzen gesehen, jemals erkenntnistheoretischen Wert zu erlangen.

Sogleich werden Velikovskys naturwissenschaftliche Theorien, wiewohl sie Newtons, gleichsam dem mechanistischen Zeitalter entstammende Hypothesen einleuchtend überholen, zu ebensolchen Hypothesen, wie sie fast schon zwangsläufig in einer weitgehend von der Elektrizität bestimmten Zeit entstehen müssen, allerdings auch nur entstehen können.

Sie als ein für allemal gültig ansehen hieße, sie genau jenem Endzeitmuster einzuweben, dem zugleich doch auch Ihre Kritik gilt.

Was bleibt, ist die Entdeckung, daß die jahrtausendealten Schriften - obendrein als heilige, als eben religiöse Schriften überliefert - sozusagen die Maßstäbe mitliefern, mittels derer wir uns plötzlich in der Lage sehen, an neueren und neuesten Wissenschaften Überprüfungen und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen, ohne erst noch konkrete Forschungsergebnisse abwarten zu müssen.

Inwieweit es nicht auch und gerade dieser Umstand ist, der die Überlieferer der Bibeltexte, nämlich die Juden - gewissermaßen als Träger höheren, vielleicht tieferen, besseren Wissens -, immer wieder in ernste Gefahr bringt, von einer unwissenden, nicht voll einsichtigen, mehr oder weniger erkenntnisarmen Umwelt geistig, kulturell und physisch ausgelöscht zu werden, wäre immerhin zu bedenken. Es ist ja nicht so, daß die Erinnerung von vornherein verdrängt wäre. Das Gedächtnis, eben in Gestalt der überlieferten Schriften, ist doch nach wie vor intakt.

Vielmehr scheint sich ein harscher Widerstand dem Lernenwollen, dem Verstehenwollen, in gewissem Sinne einer Mutation des Bewußtseins, bei genauerem Hinsehen: dem Erwachsenwerden entgegenzustemmen.

In Ihrem vorletzten Brief an Prof. Beck (vom 6.7.81) wird noch einmal zusammenfassend deutlich, daß Ihre Kritik nicht zuletzt der Theorie einer "uniformen Evolution" gilt, der sowohl kirchliche als auch naturwissenschaftliche Schulen anhängen.

Was ich vermisse, ist eine klare Trennung zwischen Neuem und Altem Testament, mithin auch zwischen den aus diesem bzw. jenem hervorgegangenen Religionen.

Denn daß die alttestamentarische Weltauffassung alles andere als evolutionär ist, wird schon bei oberflächlicher Bibellektüre deutlich.

Auch mag Ihr Hinweis auf eine, nach Velikovskys Geschichtsrekonstruktion "unheimlich verkürzte Vergangenheit" im Hinblick auf christ-kirchliche Lehren angebracht sein. Die Juden haben nie etwas anderes behauptet, als daß unsere historische Menschenwelt eben so alt sei, wie es die Bibel berichtet, also etwa 6000 Jahre.

Wie sich der eine oder andere nun jenen Schöpfungsakt vorstellten bzw. heute vorstellen mögen, das ist wohl eher eine Frage der Phantasie einer Intelligenz, die sich dessen eingedenk bleibt, daß ganz offenbar ein glückliches Zusammentreffen kaum noch aufzuzählender oder im einzelnen nachzuweisender Grob- und Feinstumstände für die Entstehung dieser im Universum höchst besonderen, für uns allerdings sehr allgemeinen Bedingungen verantwortlich zu machen ist. Einer so angesprochenen Phantasie scheint mir eine Lösung, die die "verordnende Gottheit durch ihr Urbild erratischer Himmelskörper" einfach nur ersetzt, jedenfalls nicht auszureichen.

Die gleichsam anthropomorphisierende Methode bei der biblischen Schöpfungserklärung hat, eben weil sie den Menschen direkt ansprach, sicherlich mit dazu beigetragen, daß uns das Buch bis heute erhalten und vor allem im tiefsten verständlich geblieben ist. Daß hier, gerade in sozusagen kosmischer Sicht, das Märchenhafte und Wunderbare alltägliche - irdische - Realität wurde, haben wir ebenso "vergessen" wie die katastrophalen Umstände, die einst dazu führten.

Daß in einer Zeit der allgemeinen Versachlichung, der Phantasielosigkeit und Eintönigkeit mensch-irdischen Alltags sich so etwas wie ein Katastrophen-"Bewußtsein", d.h. insgeheim: Katastrophen-Sehnsucht buchstäblich zu Wort meldet, entspricht vielleicht der inneren Logik einer allmählichen Harmonisierung der erdnahen und für uns relevanten Konstellation.

Die alte Geschichte: Wo äußere Bedrohungen, Feinde, Gefahren uns nicht mehr bedrücken, präparieren wir geschwinde die Kollisionen und Kriege im Innern, experimentieren wir auf Erden selbst. Dies heißt ja wohl der siebente Tag. Der dauert seit Menschengedenken. Und seither erhofft und fürchtet die Menschheit den Anbruch des achten. Was tun? (14.12.81)

Christoph Marx an Horst Lummert:

Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, Velikovsky führe die Bibel gegen die Hypothesen der Wissenschaften ins Feld, um sie aus den Angeln zu heben; wenn ich auch Ihren Satz richtig finde, daß erst anhand der historisch einordnenden hebräischen Schriften die Überlieferungen anderer Völker, die sogar im Falle Ägyptens nur spannenweise einer eigenen Chronologie folgen, ihren Platz in der Gesamtgeschichte finden.

Dann wieder möchte ich nicht unterschreiben, daß die Wissenschaft - oder die zwei anderen Großdenk-, oder besser: Großverdrängungssysteme Philosophien und Religionen - keine erkenntnistheoretischen Werte lieferten; ich bin vielmehr der Meinung, daß sie insbesondere in ihren ersten Generationen, solange die Reaktion noch nicht sich heranbilden konnte, in ihrer Unbefangenheit bis zur Grenze des möglichen Verständnisplafonds jeweils gute, einsichtige und gleichsam "wahre" Daten produzierten.

Weil die Reaktion - auf den sich der Erkenntnis zu stark nähernden Erregungshintergrund - jeweils das Denk- zum Verdrängungssystem umwandelt, werden die darin erlangten Daten, Thesen oder Theorien nicht automatisch zum Teil der Mode; es kann dies m.E. erst erfolgen, wenn das Erreichte den reaktionär bestimmten Regeln unterstellt wird und sich nicht mehr am Maßstab der schon gefundenen Realität messen läßt.

Ein (fast) ungeschriebenes Gesetz der gemeinen Wissenschaft (wenn ich so mal das Verdrängungssystem "Wissenschaft" von einer "speziellen" Wissenschaft abheben darf) besagt z.B., daß nichts als real, "wahr" oder auch "allemal gültig" bezeichnet werden darf; wogegen etwa die Wahrheiten stehen:

- Die Menschheit verdrängt ihre Geschichte, denn es läßt sich die gegenüber der gelehrten so völlig andersartige Realgeschichte rekonstruieren, daß auch Lücken oder Fehler in der Rekonstruktion die Diskrepanz in keiner Weise zu verwischen vermögen.
- Kein irgendwie geartetes Kollektiv unter den Menschen will mit der realen Vergangenheit leben, denn keines hat zur Bewältigung ein der Realität entsprechendes Denksystem entwickelt.
- Aus der Rekonstruktion wissen wir, daß erratisch-kataklystische Vorgänge im Sonnensystem die lebensevolutionierenden Impulse lieferten; die Glaubensformen an Gottheiten prägten; den Erregungshintergrund für unreale physikalische ("naturphilosophische") Axiome bilden; ausschließen, daß wir je mit dem Zeitmaß der Gegenwart die historische Vergangenheit messen, d.h. "sichern" können (die Unschärfe beginnt wohl schon vor 11/1200 Jahren und nimmt überhand 1000 Jahre davor; Jahrzehnte sind vor dem "6." kaum noch, Jahrhunderte vor dem "10./12." Jh.v.u.Z. nicht mehr definierbar).
- Schließlich ist ebenfalls die "Wahrheit" entdeckt worden, daß die beobachteten erratischen Vorgänge im Sonnensystem im Widerspruch stehen mindestens zur heute akzeptierten Gravitationstheorie, die selbst wiederum nicht Auskunft zu geben vermag über die vor 5 Generationen im Raum entdeckten und in jüngster Zeit gemessenen elektro/magnetischen Kräfte.

Da bin ich nun auch gar nicht Ihrer Auffassung, daß in einer "fast schon zwangsläufig weitgehend von der Elektrizität bestimmten Zeit" Hypothesen über elektrische Kräfte im Raum "entstehen müssen" und auch nur dann "entstehen können" - so würde letzten Endes die Elektrizität an sich als Erfindung des Menschen hingestellt, wogegen sie ja doch eine real feststellbare Kraft ist, die an eindeutig feststellbaren Punkten tatsächlich herrscht.

Es ist auch wissenschaftsgeschichtlich nicht so, daß auf die Entdeckung der Elektrizität Hypothesen über ihr Vorkommen und ihre Wirkungen im Raum gefolgt wären; m.E. ist es vielmehr so, daß die Entdeckung der Elektrizität die Folge der Newtonschen Entdeckung der Gesetzmäßigkeit der Gravitation war, und daß sie auch keineswegs "Newtons, gleichsam dem mechanistischen Zeitalter entstammende Hypothesen überholen" konnte, da diese Kraft, auch wenn er sie beim Namen noch nicht nennen konnte, von Newton schon unterstellt worden war.

Wie vorsichtig-wissenschaftlich, zeigen die folgenden Zitate (in Friedrich Zöllner, Wissenschaftliche Abhandlungen, Bd.1, S.21ff).

Es ist unbegreiflich, wie unbeseelter, roher Stoff, ohne die Vermittelung von einem sonstigen Etwas, welches nicht materiell ist (which is not material), auf einen andern Körper ohne gegenseitige Berührung wirken soll, wie es der Fall sein müßte, wenn die Gravitation im Sinne Epicur's der Materie wesentlich und inhärent wäre. ... Denn daß die Gravitation der Materie eingeboren, inhärent und wesentlich sei, dergestalt, daß ein Körper aus der Entfernung durch ein Vacuum hindurch auf einen anderen Körper wirken solle ohne Vermittelung von einem sonstigen Etwas, durch und vermittelst dessen die Wirkung und Kraft von dem einen Körper zum andern hingeleitet wird, dies ist für mich eine so große Absurdität, daß ich glaube, kein Mensch, dem in philosophischen Dingen eine competente Denkfähigkeit beigemessen werden darf, kann jemals hierauf verfallen. Die Gravitation muß durch irgend eine Thätigkeit verursacht werden, welche beständig in Übereinstimmung mit bestimmten Gesetzen wirkt (Gravity must be caused by an agent acting constantly according to certain laws); ob aber diese Thätigkeit eine materielle oder immaterielle sei, habe ich der Überlegung meiner Leser anheimgestellt.

Diese Sätze enthält die Antwort Newtons auf eine Rede des Geistlichen Bentley, der die Ursache der Gravitation Gott zuschrieb. Eindeutig Newtons naturwissenschaftliche Haltung drückt auch sein früh verstorbener Schüler Cotes in der Vorrede zu den Principien aus:

Wird man aber deshalb die Schwere eine verborgene Ursache nennen und sie unter diesem Namen aus der Naturlehre verbannen, weil ihre Ursache verborgen und noch nicht gefunden ist? Diejenigen, welche dies behaupten, mögen sehen, daß sie keine absurde Behauptung aufstellen, wodurch sie endlich die ganze Grundlage der Physik umreißen würden.

Es ist diese Einsicht einer noch verborgenen Ursache der Gravitation, welche etwa Zöllner, der sich als erster "Astrophysiker" nannte und den Begriff auch prägte, die Arbeit Über die Ableitung der Newton'schen Gravitation aus den statischen Wirkungen der Elektrizität schreiben ließ (1877 im oben erwähnten Band; Zöllner war ab 1866 Professor der Astrophysik in Leipzig und ein recht aggressiver Mensch, der sich mit seinen berühmten Kollegen in Berlin auch auf anderen Gebieten anlegte (Vivisektion, Spiritismus, unwissenschaftliches Verhalten)). 1872 erschien Zöllners Über die Natur der Cometen, Beiträge zur Geschichte und Theorie der Erkenntnis, wo etwa folgender Absatz zu lesen ist:

Das Spectrum der auf diese Weise electrisch leuchtenden Dunsthülle eines Cometen muß nothwendig dasjenige sein, welches beim Übergange der Electricität durch die vom flüssigen Kerne entwickelten Dämpfe erzeugt wird. Besteht dieser Kern aus einem Gemenge verschiedener Flüssigkeiten, so wird bei schwacher Electricitätserregung zunächst nur das Spectrum desjenigen Stoffes erscheinen, dessen Emissionsvermögen bei niedrigen Temperaturen das größere ist. Wenn daher dem Wasser und den flüssigen Kohlenwasserstoffen (z.B. dem Petroleum) unter den kosmischen Flüssigkeiten - als Fragmenten zertrümmerter Weltkörper - eine hervorragende Rolle eingeräumt werden darf, so können die Spectra der Cometen vorzugsweise nur solche sein, welche den Dämpfen dieser Stoffe und ihren Bestandteilen angehören. {Und der folgende Satz im Original ganz gesperrt gesetzt:} Auf diese Weise würde sich die Analogie und theilweise Coincidenz der bisher beobachteten Cometenspectra mit dem Spectrum des electrischen Funkens in einer Atmosphäre von Kohlenwasserstoffdämpfen erklären.

Überflüssig, auf die Übereinstimmung mit den Daten aus der Rekonstruktion zu verweisen. Die Entdeckung der von Newton noch als verborgen - aber existent - erkannten Kraft als Ursache der Gesetzmäßigkeit der Gravitation - der Elektrizität - ließ sofort die realistische Beschreibung kosmischer Vorgänge zu - hier des Aufleuchtens und der Ausdehnung in Sonnennähe der Kometen und ihrer stofflichen Zusammensetzung.

Die Reaktion auf dieses Der-Wahrheit-Zunahekommen erhellt beispielhaft an der neueren Übersetzung des Begriffes "Gravitation": z.Zt. Zöllners noch richtig "Schwere", sagt heute auch Langenscheidts Muret-Sanders "Schwerkraft".

Die größte Absurdität, die Newton sich vorzustellen vermochte, was keinem Menschen, "dem in philosophischen Dingen eine competente Denkfähigkeit beigemessen werden darf", unterschoben werden darf, ist dann von Einstein als dem größten Naiven der Formelphysikmystiker zum Wahrspruch erhoben: Schwerkraft wirkt durch das absolute Vakuum überall unmittelbar ohne Vermittlung von einem sonstigen Etwas...

"Was tun?", fragen Sie. "Aufklären", wäre die ideale Antwort. Aber wir leben nicht in einer "Zeit der allgemeinen Versachlichung", die eine solche Aufklärung unterstützen würde.

Im Vordergrund der Aufklärung steht für mich die Tatsache, daß wir unsere Geschichte falsch kennen und - die beste, heute erkennbare Wahrscheinlichkeit dafür - deshalb irrational handeln.

Völlig uninteressant und irrelevant - da höchstens nach einer evt. Gesundung durch Aufklärung überhaupt erforschbar - indessen sind m.E. weitere Spekulationen über unsere Herkunft, den Sinn des Daseins, oder gar zukünftig anzustrebende kollektive Verhaltensweisen.

Vordringlich wäre m.E. die Entwicklung von Methoden zur psychoanalytischen Behandlung des Kollektivs - aber schon Velikovsky wußte nicht, wie er es "auf die Couch legen" sollte.

Mittlerweile sammle ich und sorge für möglichst eindeutig und vollständig belegtes Material über die Reaktionen insbesondere in den Wissenschaften; in der, allerdings sehr gedämpften, Hoffnung auf Phantasie - oder besser: Vorstellungskraft bei Unverzagenden mit standfestem (sense of) Humor. (7.1.82)

HL an CM:

Ich denke doch, daß es in diesem Zusammenhang sehr wichtig ist, auf die wesentlichen Unterschiede zwischen Christen- und Judentum hinzuweisen. Die Juden, wie übrigens auch die alten Chinesen, bestehen seit eh und je darauf, daß ihre überlieferten Schriften von tatsächlichen Begebenheiten berichten. Zwar sei das eine oder andere heute nur noch schwer zu verstehen oder gar nicht mehr zu erfassen, aber das sei dann eben zugleich eine Einladung zu eingehendem Studium, Forschung und Überprüfung.

Wissenschaft und Religion sind in dieser Tradition einander überhaupt nicht feind. Daher ist durchaus denkbar, daß etwa die katholische Kirche Velikovskys Werk unterdrückt sehen möchte; ein ähnliches Interesse auf jüdischer Seite wäre völlig absurd - und zwar nicht nur, weil Velikovsky aus einer jüdischen Familie kam, sich als Jude und Zionist verstand. Nein, es wäre absurd nach den inneren Maßstäben einer Religion des Wissens und der Vernunft - ganz im Gegensatz zur christlichen Glaubensreligion.

Das, wie ich meine, gestörte Verhältnis zur Realität, zur konkreten Geschichte, zur Natur des Menschen, seinen beziehungsgesetzlichen Existenzbedingungen; dieser allgemeine - dynamische, geradezu progressive - Orientierungsverlust im Christentum und durch das Christentum hat sicherlich auch psychologische Entstehungsgründe, die - quasi monadisch - aus der Biografie Jesu analysiert und destilliert werden können.

Seine historisch wirksam gewordene Imago bleibt unabhängig von der Frage, ob es den Mann Jesus nun tatsächlich gegeben habe oder nicht. Er könnte ebensogut ein reines Literaturprodukt sein - obwohl manches gegen diese Annahme spricht.

Ich sehe einen - ursächlichen - Zusammenhang zwischen der - psycho-logischen - Fehlpolung und der - also zwangsläufigen - Entwicklung der Wissenschaft zu einem kollektiven Verdrängungs- und Wahnsystem.

Ob die eine Fakultät mehr, die andere weniger davon betroffen sei, bleibt im einzelnen natürlich immer wieder genau zu untersuchen. Insoweit sage ich das alles unter Vorbehalt.

"Aufklären wäre die ideale Antwort", schreiben Sie. Und ich möchte Ihnen zustimmen. Was ich hier angerührt habe, ist freilich die Frage nach der Aufklärbarkeit, ihren sozialen und psychologischen Bedingtheiten.

Wie mir andersherum, wie gesagt, bei der Frage nach eventuellen geschichtlichen Hintergründen mythischer Bildnisse und movies die Psycho-Logik ihrer Entstehung sehr hilfreich werden kann.

Nicht jeder (subjektiven) Wahrheit liegt in diesem Sinne (objektive) Realität zugrunde. Womit wir dann wieder bei jener, wie ich es oben nannte, Fehlpolung wären. (4.2.82)

CM an HL:

M.E. läßt sich aufrecht erhalten, daß auch die Judenreligion - wie jede Religion - der Aufklärung (nicht der "Wissenschaft", wie wir sie heute als Repressionssystem kennen) feind ist. Keine GOttheit läßt sich als Himmelskörper aufklären, nachdem wir heute wissen, wie er/sie stofflich einzuordnen ist.

Was "heute nur noch schwer zu verstehen oder gar nicht mehr zu erfassen" sei in den überlieferten Schriften und Traditionen, erblicke ich - draußenstehend - auch nicht als "Einladung zu eingehendem Studium, Forschung und Überprüfung", sondern als Anlaß zu endlosen Rechtfertigungsversuchen eben dieser Aussagen und der daraus sich ergebenden Ableitung tat-sächlich unverständlichen, unfaßbaren oder auch nur geheimnisvollen (historischen) Handelns der GOttheit.

Gewiß gibt es Ansätze zum Erforschen aus glaubensbedingten Fragestellungen: im Gegensatz zu Ihnen bin ich indessen der Meinung, daß die zuvorderst aus dem Christentum entstanden und in der Suche nach GOttesbeweisen am deutlichsten greifbar sind - im Judentum gibt es nichts wie die kreationistische naturwissenschaftliche Überprüfung der Sintflutspuren, der Gestaltschöpfungstheorien und dergleichen.

Auch Velikovskys (psycho-) analytischer Ansatz zur Rekonstruktion der (Menschheits-, nicht Juden-) Vergangenheit ist rein materialistischer Natur; sein Werk läßt sich vergleichen mit einer dreidimensionalen Explosivdarstellung, wie wir sie aus Ersatzteilkatalogen kennen, mechanistisch schön eingeteilt in Bestandteile, Baugruppen und Fertigungsobjekte. Da gibt es wohl Götter, aber keine GOttheiten und nichts, das in eine vierte Dimension abgeschoben werden oder dort gesucht werden müßte: Diese Einstellung ist auch schon in seinen psychoanalytischen Arbeiten gut zu erkennen, besonders etwa im Erklärungsversuch zur Energetik der Psyche (1931).

Es ist, wie wir beide meinen, "durchaus denkbar, daß etwa die katholische Kirche Velikovskys Werk unterdrückt sehen möchte" und ja auch in der Tat sieht und für eigene Schritte daher kein Anlaß besteht: nur wenn Velikovsky Katholik gewesen wäre, müßte man noch eine Kleinigkeit dazu tun.

Doch gerade in diesem Punkt befindet sich die Judenreligion in schlimmerer Lage: sie muß gegen "Wissen und Vernunft" mächtig reagieren, so nahe am störenden Objekt wie möglich.

Dies umso mehr, als Velikovsky sich seiner Rasse gegenüber außerordentlich loyal und der Religion gegenüber mit bedachtem Schweigen verhielt und daraus abgeleitet werden könnte, er spräche im Namen beider. Lassen Sie sich dazu einige Beobachtungen und Vorgänge schildern.

Ende April 1977 verbrachte ich auf seine Einladung hin 10 Tage im Haus Velikovskys - eine absolute Ausnahme von den Familiengepflogenheiten, die er zu einem verzweifelt erscheinenden Ausbruch aus seiner Umwelt veranstaltet hatte (denn wir hatten erst seit kurzem korrespondiert - ausgehend von Hornung, wie Sie in den Beilagen zur "Angst" finden - und uns vorher nicht gekannt); aus einer Umklammerung im USamerikanischen Judenemigrantenelfenbeinturm und der deutsch-(von seiner Frau her)-zionistischen Religionsnorm.

Ein Hauptanliegen war die Wiederveröffentlichung im deutschen Sprachraum, die ich vor seinem Tod gerade noch durchsetzen konnte, und zwar gegen den immer einflußreicher gewordenen Widerstand seiner Frau - diese Geschichte und die Aufzeichnungen der 10 Tage werden vielleicht einmal weiterführende Analysen gestatten.

Hier ist nur die religiöse Reaktion hervorzuheben, das, was Sie "nach den inneren Maßstäben einer Religion des Wissens und der Vernunft" als "absurd" bezeichnen und dort in den Fokus kommt, zum Fokus wird, wo die Verbindung mit der GOttheit am intimsten wird: bei Tod und Holokaust.

So setzt seine Witwe gleich die Botschaft in die Welt, der große Mann (der Freudianer; der scharfsinnige Analytiker; der Geschichts- & Götterrekonstrukteur!) habe sie GOtt anempfohlen - sehen Sie dazu den Brief von F.J. Kerkhof, dem führenden Mitglied einer holländischen Kreationistensekte (Stichting tot Bevordering van Bijbelgetrouwe Wetenschap), die Velikovsky und seine Rekonstruktion für sich beansprucht, "weil er die BibeI beweist".

Dann hatte die Londoner Times einen Nachruf gebracht, den ich mit einem Leserbrief angriff: Die Antwort kam von Lynn E. Rose, der als Herausgeber des literarischen Nachlasses vorgesehen war (die Aufgabe ist inzwischen von der Witwe usurpiert worden) - das Post scriptum kann in seiner Bedeutung als reaktionäres Element überhaupt nicht überschätzt werden!

Dagegen z.B. Velikovskys eigene Worte 1964 in einer Instruktion an Zvi Rix zu einem gemeinsamen Buchvorhaben über The Great Fear:

Rework your material and extract from it on the origin of hatred of the Jews; touch the vision of furnaces and hell in the Gospels and tell of what happened in our days in Germany and occupied countries; this is a stupendous theme.

Fast fünf Monate nach Velikovskys Tod können Sie schon den Brief von Warner Sizemore - seines Zeichens Reverend - hinzunehmen, der dem reaktionären Druck Ausdruck verleiht, dem Velikovsky gut zwei Jahre lang ausgesetzt war und dem er fast so lange auch standhielt: ein Drama am Lebensende, das gemeinsam mit Einsteins letzten 18 Monaten der Velikovsky-Konnexion aufzuarbeiten wäre.

Dieser Tage erscheint das von der Witwe nun aus dem Nachlaß herausgegebene Mankind in Amnesia, und wir werden so neue Einsichten in das religiöse Abwehrverhalten gewinnen.

Führende Mitglieder und Initianten der Society for Interdisciplinary Studies (SIS) in England sind Juden. An der heute sog. Glasgow-Konferenz vom April 1978 wurde erstmals Kritik an Velikovskys chronologischer Rekonstruktion vorgestellt:

Die Tabelle aus SIS Review V,1 zeigt diese "Revision der Rekonstruktion" im Vergleich mit der Ereignis-synchronisierten Chronologie Velikovskys und des AT.

Ausgelöst von meiner Glasgow-Kritik kamen Äußerungen hervor, deren emotionaler Ausdruck letztlich auf dem Hintergrund gesehen werden darf, den dieselbe Glasgow Discussion Group über "possible conflicts between Velikovsky and religion" so formuliert:

On this last point the majority saw no conflict - indeed, Velikovsky's ideas had strengthened belief and made the Bible clearer.

Und inzwischen ist man so weit, daß mindestens die "later books" - doch ist auch die 2. Hälfte des 1. Bandes schon mit drin - "something of an embarassment" sind, "shot through with flaws, appalling misunderstandings of the evidence, misrepresentations and carelessness": "They are best forgotten about and swept under the carpet" - ein schönes Zitat für jeden Velikovsky~Gegner!

In diesem Schriftwechsel lenke ich Ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Stellungnahme von Martin Sieff, heute Journalist in Nordirland, und Jude.

Im SISR-Brief stecken von ihm selbst und durch die redaktionelle Anmerkung (von Malcolm Lowery) bald biblisch formulierte Rechtfertigungsbezüge auf das Gesetz des MEisters; und doch zeigt der Vortrag, den Sieff am 27.9.82 hielt, ein außerordentlich unbeherrschtes Überquellen m.E. religiös erregten Eifers: ein biblisch-jüdischer Hintergrund (und Nichts sonst) wird in eine quasi=psycho=analytische Heils=Spritze gegeben, die auf den Kriminellen Geschichtsfälscher angesetzt wird (etwa S.7: "The conclusion then must be that here, again, Velikovsky is accusing others of a crime he himself has committed, of distorting the historical record...").

Um das zu erreichen, wird schon eingangs die Rekonstruktion nicht als "historical work", sondern als "literary" - m.a.W. als Fiction - deklariert:

Hier sehen wir der Entstehung jener Rekonstruktionsgegnerischen Basis zu, die mit dem - aus der Sicht der etablierten Wissenschaft berechtigten - Begriff eines manisch-religiösen (Sieff zweifelt (S.8u), daß Velikovsky ein Agnostiker gewesen sei, ein Atheist schon gar nicht - was bleibt da übrig!) Geschichtsfälschers und seiner Sekte operieren wird - es ist geradezu die Masche der Sagans, Ditfurths oder gar eines Richters (der Psychologe von Das geplante Inferno).

Am einfachsten drückt der Altertumshistoriker Abraham Malamat von der Universität Jerusalem das glaubensreligiöse Problem der Rekonstruktion - ausgehend von "Wissen und Vernunft" allerdings doch "absurd" - aus (in einem Brief vom 28.8.81 an mich):

Den "Holokaust", in meiner Fachsprache kurz als "Ausschwitz" {sic! seine Buchstabierung "Aus=schwitz"; ebenso wie "den" anstatt das Holokaust} bezeichnet, sollte man keineswegs mit anderen Themen wie Velikovsky in Verbindung bringen. Die Sache ist zu ernst u. traurig, um sich da wissenschaftliche Theorien von psychologischer oder metaphysischer Natur zu bilden. Es ist ein Sakrileg für die Ermordeten, sie mit Planetenstellungen zu verbinden.

Keine Religion läßt sich gegen die oder mit der Rekonstruktion verteidigen; und jede Religion und jeder Glaube ist letztlich gegen die Rekonstruktion gerichtet - was nach einer Aufklärung sein könnte, ist heute kaum denkbar, ganz gewiß nicht kalkulierbar; wohingegen gegenstandslos - gOttlos - zuvorderst Christentum, Judentum, Islam und alle daran geknüpften Nationalstaatsverfassungen werden müßten - das Feindbild der Menschen und ihre Forschung und Aufrüstung würde sich gegen die terrabedrohenden Vorgänge richten müssen, ihre "Liebe" - um mit den heutigen Religionen zu sprechen - sich eigentlich Gäa anstatt Venus zuwenden.

Zwischen einer "Glaubensreligion" und einer "Religion des Wissens und der Vernunft" - sofern Sie auf der m.E. unmöglichen Unterscheidung bestehen wollen - besteht letztlich aber auch deshalb keine Differenz, weil "Wissen und Vernunft", wenn damit die derzeit tätige Wissenschaft umschrieben sei, in jeder Hinsicht durch die GOttheit ebenso beherrscht werden.

Man könnte gleichsam sagen, daß mit der Säkularisierung eine Zellteilung stattgefunden habe:

Das in der Forschung nach GOtt religiös nicht mehr tragbar gewordene Wissen wird als Kern einer neuen Zelle (="Wissenschaft") abgespaltet (Religion + Führungsinstrument Kirche bleiben mit dem Vorteil zurück, nicht mehr verantwortlich zu sein), allerdings unter strenger Aufsicht der gOettlichen Instanz, wie sich recht eigenartig bei Heinz Demisch, Die Sphinx - Geschichte ihrer Darstellung von den Anfängen bis zur Gegenwart (Stuttgart 1977) illustrieren läßt!

Dort heißt nämlich die erste Überschrift des Kapitels X (S.188, Das 19. und 20. Jahrhundert) Die Sphinx verläßt die Kirche; worauf das astronomische Kürzel für den machtvoll-erratischen Horrorplaneten (s. Heinsohn/Marx, Revolution Echnatons) prompt "nicht nur vor Palästen und Herrensitzen, sondern auch vor Verwaltungsgebäuden, Hochschulen, Museen und Privathäusern" erscheint:

als freie Monumentalskulptur, als Dekor an Gebäudefronten, Denkmälern, öffentlichen Brunnen, Gräbern, Zimmer- und Kaminwänden, an Möbeln, Behältern und Vasen, als Vignetten und als Gemäldemotiv

(s. dazu Heinsohn, Kleine Sphingen- und Mischwesenkunde sowie Fassadenwesen).

Ohne Kenntnis des Erregungshintergrundes muß der Autor indessen mit auf dem Kopf stehender Folgerung operieren, "die historisierenden Tendenzen des 19. Jahrhunderts haben dem Sphinxmotiv eine große Verbreitung gesichert" - obwohl natürlich gerade die von den alten Texten sich abwendende enthistorisierende Tendenz der Reaktionäre Lyell, Darwin und der ihnen folgenden Gesellschaftswissenschaftler der allgegenwärtigen Aufsicht bedurfte.

Soweit einige Worte zur Religionsfrage. Wieder am meisten Gewicht möchte ich auf die Tatsache legen, daß wir alles neu durchdenken müssen und auf praktisch nichts bislang Überlegtes zurückgreifen können - nichts, was nicht den Venusbazillus in sich tragen könnte. (11.2.82)

HL an CM:

Ich denke, daß Velikovskys Gesamtwerk durchaus Platz finden kann in der Tradition des sogenannten Alten Testaments. Daß der eine oder andere Jude Ketzerei wittert und entsprechend reagiert, spricht nicht gegen diese These. Daß der Gott der Torah - Ich werde sein, der ich sein werde - diese und jene Erscheinungs- und Wirkungsweise von vornherein mit einschließt, ohne mit dieser oder jener zugleich identisch zu sein, darauf ist früh genug, auch mit dem Hinweis, man solle sich von ihm kein Bildnis machen, reflektiert worden. (Höre! - nicht "siehe".)

Das Selbstverständnis der Gesetzesreligion braucht die katastrophale Begegnung mit der Venus nicht zu scheuen. Warum auch?

Nicht der Stein, der flog, ist das Problem, die Kräfte sind's, die es bewirkten. Darum sind Velikovskys Hypothesen interessant, erhellend, sie bringen uns weiter.

Velikovsky griff zunächst auf jene Beschreibungen, Berichte, Ausdeutungen zurück, die von einer anderen Hypothese ausgingen, die mit dem alten Begriff Gott zusammengefaßt worden ist.

Es ist ja doch Erfahrung jeglicher Forschungsarbeit, daß sie mit jedem Fund, jedem Erfolg, jeder Antwort auf ihre Fragen sich vor immer neue Fragen gestellt sieht.

Ich finde, jene, sagen wir, Ur-Hypothese, jene Hypothese par excellence, wie ich es zu verstehen suche, schließt diese, gleichsam sokratische Erfahrung schon mit ein.

Sie sind auf einen Teil meiner Begründung für den grundsätzlichen Unterschied zwischen Christentum und Judentum, destilliert aus der Biografie Jesu, nicht eingegangen.

Die "glaubensbedingten Fragestellungen", die "Suche nach Gottesbeweisen", "aus dem Christentum entstanden", derlei Fragestellungen, Sie erwähnen es in Ihrem Brief, wären innerhalb des Judentums nicht denkbar, in der Tat.

Die "Suche nach dem Gottesbeweis" ist jüngeren Datums, ist griechisch-christlich, ein Entstehungsgrund europäischer Philosophie, aus der schließlich die modernen Wissenschaften hervorgegangen sind.

Genau darin sehe ich die Fehlleitungsmotive verborgen, Fehlsteuerung, falsche Polung seit Anbeginn europäischer Geschichte, wenn Sie so wollen.

Die die Grenzen des "Seins" ständig überschreitenden, müßigen, fürs praktische Leben gänzlich unbedeutenden "Fragen" waren wahrscheinlich nur "möglich", weil die Verbindung, der innere Konsens, sozusagen das intime Einverständnis mit diesem Leben längst verloren gegangen war.

Die der "Sohnes"-Religion einst vorangegangenen "Väter" sprachen hingegen von Erlebtem, konkret Erfahrenem, wenn sie "Gott" usw. sagten. Was, verkürzt, die Christen sich erfinden mußten, das war für die alten Hebräer konkrete Geschichte.

Wenn wir von einem "Verdrängungs- und Wahnsystem" sprechen, so ist es genau dieses Erfundene, Erdachte, von "Ideen" und Fiktionen Hergeleitete...

Ich denke, die Beziehung zu Wahrheit und Lüge ist eben auch ein psychostrukturelles Problem. Wenn ich meinen Vater kenne, brauche ich mir keinen zu erdichten, bedarf es für mich keines besonderen "Beweises" dafür, daß es ihn gibt.

Ich glaube, damit kommen wir auf den eigentlichen "Erregungshintergrund" zu sprechen.

Ihr Appell, die Menschen sollten ihre Bemühungen "eigentlich Gäa anstatt Venus zuwenden", klingt fürs erste Hinhören natürlich ganz vernünftig.

Aber der Name "Gäa" hat auch seine Geschichte, einen mythischen Sinngehalt, und dieser eine unüberhörbare Psycho-Logik (dem feiner verstehenden Ohr).

Nach meinem Verständnis häkeln Sie damit weiter an dem Netz, in dem sich Europa verfangen hat. (21.02.82)

HL an CM:

Ich bin jetzt an de Grazias Velikovsky-Buch (Goldmann) herangekommen, habe es mit großem Interesse gelesen und dabei ein paar Entdeckungen gemacht, über die ich mich hier mitteilen möchte.

Vielleicht beginne ich am besten mit den Unterschieden, die mir bei der Behandlung Velikovskys aufgefallen sind - den Unterschieden zwischen den USA und dem deutschsprachigen Raum (hier also besonders der Bundesrepublik, aber, nach Ihren persönlichen Erfahrungen, auch der Schweiz). Dabei kann ich mich mit den Deutschen kurzfassen.

Das wissenschaftliche Establishment schweigt sich aus, empört sich, spottet oder diffamiert usw.. Das wäre also, verglichen mit Amerika, ganz normal.

Aber was bei uns fehlt, das sind die wenigen Einzelnen unter den anerkannten Autoritäten, die sich in den USA immerhin für eine faire Auseinandersetzung mit Velikovsky eingesetzt haben.

Es fehlt des weiteren die nichtwissenschaftliche Öffentlichkeit, die, wie in den Staaten Newsweek und Harper's, klar und verbindlich für Velikovsky in Position gegangen wäre.

Die Reaktion auf Velikovsky war hier eigentlich typisch "deutsch", vermuckert kleinkariert dogmatisch, dumm-arrogant und, nicht zu vergessen, gleichgeschaltet. Ganz anders in Amerika.

Während sich bei uns ein paar Private um Velikovskys Werk bemühen (wobei über möglicherweise auch hier von Weltanschauung nicht völlig freien Motiven noch zu reden sein wird), war Velikovsky, jedenfalls als Schriftsteller, drüben keineswegs isoliert.

Nur die etablierte Wissenschaft ließ ihn nicht zu sich herein. Amerika als Ganzes hatte allemal Platz auch für ihn.

Dabei ist mir nun etwas aufgefallen, was mich im Zusammenhang mit kollektivem Wahn, mit Kollektivmythen, sogenannten Nationalcharakteren schon seit längerer Zeit interessiert.

Die Kollektivreaktion auf Velikovsky war in den USA positiv. Seine Bücher verzeichneten Massenauflagen. Das lesende Volk legte Interesse und Begeisterung an den Tag.

Will sagen, daß von einer Kollektivangst angesichts der in Velikovskys Werk wieder herauf erinnerten kosmischen Katastrophen mit all ihren Folgen für das Erdenleben, daß von einem kollektiven Verdrängungsverhalten insgesamt überhaupt nicht die Rede sein kann.

Etwas ähnliches hatten allerdings die ersten Bucherfolge in Deutschland auch gezeigt. Das seltsame Verhalten kommt, das wird am amerikanischen Beispiel ganz deutlich, von der etablierten Wissenschaft, von der herrschenden geistigen Elite als einer gesellschaftlichen Schicht.

Es ist sicherlich kein Zufall, daß die "Velikovsky-Affäre" von einem Soziologen, Alfred de Grazia, aufgegriffen wurde.

Nicht einmal staatsmachtpolitische, militärische, großindustrielle (NASA u.ä.), Interessen scheinen von Velikovskys Theorien irgendwie negativ berührt zu sein. Im Gegenteil. US-Raumraketen bringen der (etablierten) Wissenschaft eine Bestätigung Velikovskys nach der andern ins Haus.

Das wissenschaftliche Establishment wird das (ggf., ohne den Namen Velikovsky zu erwähnen) zur Kenntnis nehmen müssen.

Warum aber nun dieses offensichtlich irrationale Verhalten? Oder anders: Wie steht's um den zugleich auch rationalen Kern hierarchischer, schichtspezifischer, gesellschaftlicher Machtpolitik?

Bei der Lektüre Ihrer Korrespondenz mit der Spiegel-Redaktion hatte ich den Eindruck, Sie verkennen die Motive des Spiegel.

In dem kurzen Briefwechsel, den wir bisher miteinander führen, könnte zunächst der Eindruck entstehen, ich verteidigte die alttestamentarische Religion gegen die Wissenschaft, möglicherweise mit dem Trick, zwischen Religion und Wissenschaft bestehende Widersprüche bloß nicht wahrhaben zu wollen; während Sie die Position der aufgeklärten Wissenschaft vertreten - gegen Beschränktheit aller Religion.

Nun hat natürlich auch der bisherige Schriftwechsel bereits hervorgebracht, daß die Sachlage von mir anders beurteilt wird. Dies möchte ich hier noch verdeutlichen.

Ich denke, daß sich - in einer historisch langen Reihe konkret wissenschaftlicher Verstehens-, Klärungs- und Erklärungsversuche - zuletzt wieder an Velikovsky dargetan hat: Es bestehen gute, an unserm Erkenntnisinteresse orientierte wissenschaftliche Gründe, mit den überlieferten Schriften frühesten Ursprungs äußerst behutsam umzugehen.

Die alten Texte aus indianischer, hebräischer, ägyptischer, chinesischer, indischer, griechischer, babylonischer, römischer Tradition haben sich bereits in großen Teilen als historische Berichte entpuppt, ohne sich dabei verändern zu müssen.

Nein, wir haben uns verändert. Uns fielen ein paar Schuppen von den Augen. Wir wissen inzwischen, daß sich in der großen "mythischen" Überlieferung Wissenschaft verbirgt.

Noch nicht alles, aber vieles verstehen wir nun schon.

Es ist den Überlieferern schwerlich vorzuwerfen, daß sie das meiste davon ebensowenig verstanden, das Ganze als "heilig" erklärten - und damit als schutzbedürftig. Wir haben es ihnen zu danken.

Ohne diese "mystischen", "geheimnisvollen" Umstände der historischen Tradierung wäre wahrscheinlich alles verloren gegangen. Dies ist, meine ich, eine der wesentlichen Funktionen der Religionen in der Geschichte.

Bei Velikovsky war anzumerken, daß er von der Torah ausging, die zudem als einzige Texttradition seit der sogenannten "Schöpfung" die Weltenjahre gezählt hat.

Die biblischen Berichte bedienen sich darüber hinaus der profanen Schilderung alltäglicher und politischer oder auch kosmischer Vorgänge, die unserer heutigen Auffassung von Geschichtsschreibung noch am nächsten kommt.

Nur hat man das über Jahrhunderte und Jahrtausende nie wirklich glauben wollen. Die Mythisierung der biblischen Texte erfolgte in den Köpfen ihrer späteren Leser. Auch dies ist eine Besonderheit.

Festzuhalten ist jedenfalls, daß jahrtausendealte Berichte ihre wissenschaftliche Wahrheit enthüllen, während unsere junge, jüngste und allerjüngste "Wissenschaft" zu einem bunten Film sich zusammenreiht, in dem ein wissenschaftlicher Mythos den andern ablöst, jeder immer bunter, schöner und phantastischer als der vorige - vor allem aber immer teurer.

Das Verdienst Velikovskys besteht darin, die seit Jahrtausenden herumliegenden Teile zu einem plausiblen Puzzle zusammengesetzt zu haben.

Anderseits liefert Velikovsky der Weltraumfahrt zu ihren Entdeckungen gleich auch eine neue Großweltanschauung fürs nächste Jahrtausend. Ich vermute, die etablierte Wissenschaft war noch nicht auf eigener Höhe, als ihr Velikovsky in die Quere kam.

Aber warum war das so? Damit kommen wir wieder auf die irrationalen Voraussetzungen ihres unter interessenpolitischen Gesichtspunkten durchaus rationalen Verhaltens und Handelns angesichts Velikovskys zu sprechen.

Wenn Velikovskys Theorie stimmt, und Sie selbst bestehen ja auch darauf, dann hat er mit seiner Rekonstruktion der Geschichte endlich die notwendige Korrektur an der historiographischen Manipulation jenes Manetho vorgenommen, dessen ideologisch-religiösen Motive ja eigentlich außer Zweifel stehen.

Velikovsky öffnet den geschichtlichen Horizont in eine Tiefe und Weite, in der zum Beispiel auch die Bedeutung des Christentums zu einer seltsamen Episode zusammenschrumpft.

Ich will dem nicht mehr Gewicht beimessen, als ihm zukommt. Und die römische Kirche hat es bisher auch immer wieder vermocht, auf neue Realitäten bzw. neue Einsichten in alte Realitäten nach einer gewissen Übergangs- und Vorbereitungszeit flexibel zu reagieren, ja selbst Ketzer und Feinde von gestern sich heute als "heilig" (o.ä.) einzuverleiben.

Immerhin gibt es aber wieder und wieder auch aktuelle Kurzsichtigkeit, Schmalspurdogmatismus usw.. Sie fürchtet da, ähnlich wie im Falle Velikovsky das wissenschaftliche Establishment in den USA, vor allem den vorübergehenden Autoritätsverlust beim Volke, bei ihren Gläubigen, bei der Jugend, den Lernenden und Studierenden.

Ich meine, der Übergang von Aristoteles auf Descartes brauchte auch seine Zeit. Heute spielen diese Fragen gar keine Rolle mehr. Ähnlich wird es auch mit Velikovsky geschehen.

Dennoch vollzieht sich bei solchen Gelegenheiten zugleich eine gewisse innere Verwandlung der jeweiligen Rezeptoren.

Die Grenzen der Evolution des etablierten Geistes bzw. seiner Wandelbarkeit machen von Zeit zu Zeit ihre Zerreißproben durch. Meist wird die Sache übernommen und eingepaßt, sie bekommt aber einen anderen Namen. Wenn es schlimm wird, kann es einem Velikovsky geschehen, daß sein Name eines Tages mit dem Gegenteil dessen in Verbindung gebracht wird, was sein eigentliches Werk ausmacht. Er kann sich dagegen nicht mehr wehren. Was bleibt, ist eine Machtfrage.

Ob die Machtfrage selber in so hochstilisierten Kulturen, wie wir sie vor uns haben, in ihrem, sagen wir, soziopsychologischen Ursprungskern spezifisch mit Denk- und Sehensweisen, wie sie methodisch also etwa ein Immanuel Velikovsky sehr ertragreich vorführt, kollidieren muß, steht hier im Mittelpunkt meiner Überlegungen.

Velikovsky nimmt es als Einzelner mit einem Riesenapparat von Bürokratie samt ideologischer Selbstrechtfertigung auf. Er führt vor, wie ein Mensch, hat er sich erst einmal auf seine individuellen Fähigkeiten besonnen, ein ganzes "kollektives" Kultur-Gespinst triftig in Frage stellen kann. In Velikovsky feiert das eigenständige Denken einen seiner in letzter Zeit rar gewordenen Triumphe.

Zugleich entsteht die Gefahr, daß sich aus dem Kreis seiner wachsenden Anhängerschaft ein neuer Dogmatismus hervortut, der zwar mit Velikovsky, seinem, sagen wir, Charakter nach, nur noch sehr wenig gemein hat (ganz zu schweigen von den Intentionen), gleichwohl aber seinen Namen für sich in Anspruch nimmt.

Zu Velikovskys Werk und den bemerkenswerten Reaktionen in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit gesellt sich als drittes Merkmal der Affäre die postvelikovskysche Interpretation und Überschreitung seines Werks.

Die Kampagne gegen Velikovsky wurde nicht von autonomen Wissenschaftlern angeführt, sondern ganz und gar von der großen Schar der die Sessel des Establishments besetzenden Epigonen bestritten.

Die besonderen psychologischen Voraussetzungen für eine dauerhafte Eignung zu besagten Postenbelegungen sind ganz individueller Natur.

Der epigonale Typus, unkritisch reproduktiv, verkörpert gleichsam monadisch jeden modernen Verwaltungsapparat, jedes großkulturelle Geflecht und ebenso natürlich auch jedes "wissenschaftliche" Establishment.

Er ist wie der sprichwörtliche Polizeibeamte, der jedem Staate und jeder Regierung dient, welchem "System" die auch immer sich verpflichtet sehen mögen.

Aber er tut dies nicht kraft seines Amtes, sondern kraft seiner Persönlichkeitsstruktur.

Dieser Typus trägt deutlich ödipale Züge. Er tötet sozusagen den autonomen und produktiven Vater, setzt sich an seine Stelle, verleumdet ihn posthum, macht ihn, jedenfalls in seiner ursprünglichen Wahrheit, vergessen.

Manche Großkulturen, ich denke jetzt zuerst an die christlich-abendländische, sind in dieser Sicht von vornherein epigonal veranlagt. Ihre gestörte Beziehung zur eigenen Geschichte, zur Wahrheit in der konkreten Realität usw., ist in ihren Hinterlassenschaften, Werken, Schriften, Ideen leicht nachzuweisen.

Die spezifische Erfahrung gerade mit dieser Kultur macht nun die Glaubwürdigkeit all jener geistigen, "mythischen", kulturgeschichtlichen Überlieferungen zum wissenschaftlichen Problem, die unter ähnlichen psychologischen Strukturenbedingungen entstanden sind.

Nicht jeder Mythos umschließt Wissenschaft. Es gibt mythische Überlieferungen, die wissenschaftliche Wahrheit von vornherein ausgeschlossen haben, ja sich überhaupt nur diesem Umstand verdanken.

Individual- und familienpsychologische Fragestellungen rücken damit in den Vordergrund.

Die Behutsamkeit beim Umgang mit tradiertem Geist bleibt gleichwohl immer geboten. Umsomehr, wo kritische Forschung bereits wissenschaftlichen Gehalt von bedeutendem Gewicht ans Licht gefördert hat.

Die Freudschen Einblicke in die menschliche Psyche und bestimmte, von altersher - besonders in biblischen Schriften - empfohlene Strukturen menschlichen Zusammenlebens stellen zugleich auch die kritische Frage nach möglichen Zusammenhängen zwischen eben diesen Strukturen und der Wahrhaftigkeit bzw. Realitätstreue vorliegender Überlieferungen textlicher Art.

Ich weiß, daß ich damit auch Ihre Arbeit berühre, insbesondere Ihr Gemeinschaftswerk mit Gunnar Heinsohn über die Revolution Echnatons. Einmal meine ich, daß mit der Identifizierung des Ödipus mit dem historischen Echnaton die mit Hilfe der Psychoanalyse (wieder) an den Tag gebrachten Probleme keineswegs beseitigt sind. Im Gegenteil. Sie vergrößern ihre Dimension. Überdies stelle ich damit einen Großteil der sozialpädagogischen Thesen Professor Heinsohns in Frage. (13.3.82)

CM an HL:

Sie irren sich, wenn Sie Velikovsky in den U.S.A. "Massenauflagen" zuschreiben: die Zahlen per 14.4.77 sind für

Worlds in Collision 93,000 seit 1950, Ages in Chaos 68,000 seit 1952, Earth in Upheaval 40,500 seit 1956, Oedipus & Akhnaton 33,000 seit 1960 Peoples of the Sea (1977) 60,000 (wovon kürzlich der "Rest" verramscht worden ist).

Natürlich gibt es noch die Taschenbuchausgaben, WiC kam 1977 mit 100,000 an die Kioske. Im Vergleich zur U.S.-Bevölkerung sind dies indessen keineswegs "Großauflagen" und dürften in etwa dem im deutsehen Sprachraum geltenden Verhältnis entsprechen (in 4 Jahren, 1978-82, etwa 20,000 verkaufte Welten im Zusammenstoß).

Die Kollektivangst drückt sich m.E. besser in den Riesenauflagen eines Ditfurth (bei uns) oder von Sagan und Kumpanen (im englischen Sprachbereich) aus, aber auch im stark beschnittenen Apollo-Mondlandungsprogramm und der jetzt auf Hochtouren laufenden Reaktion, welche sämtliche Raumprogramme zernichtet: wir haben hier eine ähnliche Situation wie vor 1 1/2 Jahrhunderten, über die ich Ihnen schon berichtete, in der Physik.

Ich sehe also weder große Unterschiede zwischen den Sprachbereichen, noch ist mir gar einsichtig, weshalb in den USA die Kollektivreaktion auf Velikovsky "positiv"- gewesen sein soll. Sogar de Grazias soziologischer Ansatz von 1966 ist mittlerweile im englischen Sprachraum umgeschlagen in "Analysen" wie die beigelegte vom Velikovsky- und Glasgowrevisionsanhänger Martin Sieff, deren Argumente letztlich der Aussage entgegenstreben, Velikovskys Rekonstruktion beruhe auf in seiner Person liegenden psychopathologisch bedingten Anliegen.

Ich meine, daß - auch wenn meine Aussage etwas eingeschränkt werden könnte, weil ich selbst mitmische - die Rezeption im deutschen Sprachraum bedeutend optimistischer beurteilt werden darf, nachdem bei uns sich die Gesellschaftsbewußten - und vielleicht dann mit ihnen das Gesellschaftsbewußtsein - eingeschaltet haben (was das hier erleichtert, und wie es zu den Voraussetzungen kam, ist noch zu durchleuchten, um für andere Sprachräume zu lernen).

Die Psychoanalyse hat m.E. heute zum ersten Mal in der Geschichte es geleistet, "Wissen" aus den Denksystemen Philosophien, Religionen, Wissenschaften in der Reihenfolge ihrer Entstehung - zu isolieren und als "Erregungshintergrund" (Zvi Rix) in einem "kollektiven Un(ter)bewußtsein" sichtbar zu machen.

Ich darf diese Organisation durchaus gleichstellen und veranschaulichen mit der Organisation eines Computerspeichers, in welchem Daten ("Wissen") von Adresse zu Adresse gebracht werden, je nach Operation die Daten am Bestimmungsort verändern und daraus je nach vorgegebenen Werten neue Adressen errechnet werden: das Programm ("Denksystem"), umfassend ein Ablaufsystem mit Testroutinen, führt zu vorgegebenen Verarbeitungsergebnissen, wie sie dem Programmierer vorgeschrieben wurden.

Aus dieser Sicht erscheint mir der "behutsame Umgang mit tradiertem Geist", den Sie fordern, nicht angebracht. Als Systemanalytiker kann ich nichts übrig haben für Programme, die, wie ich weiß, die Daten zu verfälschten Ergebnissen umsetzen; solche Programme gehören m.E. in das Museum und im Kernspeicher gelöscht, wo sie ja nur Schaden anrichten.

Dazu gehörte beispielsweise auch das Ödipus-Programm, das von Freud als Erklärung gewisser Mythen mit vorgegebenem darwinistischem Verarbeitungsergebnis ausgebrütet worden ist.

Ich zähle dazu jegliche Art Gottheitenerklärungsprogramme, unter denen ich keines kenne, das nicht Himmelskörper zu Urbildern hat, denen gefundene Kräfte erst zugeschrieben wurden: 12 X min. 700 Seiten Talmud auf dem Bücherschaft sind ein derartiges Programm.

Es fällt mir daher recht schwer, mich in Ihre Argumentationsweise einzufühlen! Meinerseits versuche ich stetig, jede mir begegnende Aussage auf dem Erregungshintergrund zu beobachten und so zum darin enthaltenen Wissen zu gelangen: Nach der Aufklärung läßt sich ohne weiteres die bestehende Sprache weiterverwenden, so daß, wenn ich z.B. den Begriff Gäa verwende, ich zwar eine bezugsreiche, aber von einem mythischen Sinngehalt entblößte Aussage weitervermitteln kann. (11.4.82)

HL an CM:

Ein ungedeuteter Traum sei wie ein ungelesenes Buch - so las ich einmal irgendwo im (babylonischen) Talmud. Das wollen Sie löschen? Warum? Man komme dabei "zu verfälschten Ergebnissen"? Woran messen Sie? Mißt der Computer? Vielleicht - "in der Kontinuität der Arbeit zur Angstbewältigung"?

Dabei war das doch lange vorweggenommene Psychoanalyse.

"Die Psychoanalyse" habe, schreiben Sie, "m.E. heute zum ersten Mal in der Geschichte es geleistet, Wissen aus den Denksystemen - Philosophien, Religionen, Wissenschaften in der Reihenfolge ihrer Entstehung - zu isolieren und als Erregungshintergrund (Zvi Rix) in einem kollektiven Un(ter)bewußtsein sichtbar zu machen.”

Eben nicht "zum ersten Mal in der Geschichte"! Wobei wir uns das sogenannte "kollektive Un(ter)bewußte" noch einmal sehr genau anschaun müßten. Mit meinen Fragen bin ich eben dabei, die individuellen Strukturbedingungen zu untersuchen.

Wir - sowohl Sie als auch ich - haben Störfaktoren im Auge. Am Beispiel des sogenannten Ödipuskomplexes werden aber die Differenzen deutlich. Ich sehe in eben diesem Strukturkonflikt, Sie hingegen sehen in Freuds "Ödipus-Programm" eine Fehlerquelle. Sie bestreiten damit die Wirklichkeit eines solchen Komplexes, machen aus seinem (Wieder-) Entdecker gleichsam einen Erfinder.

Für Sie ist, darüber hinaus, mit der Ödipus/Echnaton-Identifizierung, deren Gültigkeit ich unterstelle, nicht nur der griechische Mythos historisch aufgelöst - sondern zugleich das von Freud so bezeichnete Ödipus-Problem, das damit zu einem Scheinproblem wird.

Ich sehe dagegen den Ödipus-Komplex zum Echnaton-Problem erhoben und ausgeweitet, den familiären Streit zu einem kulturspezifischen Problem von welthistorischer Relevanz, die aufs Private gerichtete Wissenschaft zu einer Sache von öffentlichem Interesse.

Martin Sieffs Vortragstext hatten Sie mir bereits zugesandt. Ich finde seine Ausdeutungen gar nicht so abwegig, Velikovsky hätte vielleicht seine Freude daran gehabt. Ganz sicher wird die persönliche Voraussetzung u.U. zu einem Leitfaden, und das insbesondere bei strukturanalogen Fragestellungen. Die Problembesessenheit ist von ihrer Energiequelle nicht zu trennen. Erkenntnisinteresse ist zunächst ein besonderes wohl. (18.4.82)

CM an HL:

Tatsächlich läßt sich in unserer Beurteilung des Ödipus-Problems eine interessante (zunächst?) grundsätzliche Differenz beispielhaft darstellen.

Ich messe an dem, was ich sehe: ein infolge aus seinem Bewußtsein verdrängter Erlebnisse zwangsneurotiseh handelndes Kollektiv.

In diesem Kollektiv leben Individuen, die zur Erklärung dieses irrationalen Verhaltens Theorien vorstellen, die sie - wie sollten sie anders - auf die ihnen bewußte Geschichte des Kollektivs und oft ihre persönliche Erfahrung stellen.

Woher aber soll - im Falle von Freuds Theorie - das Kollektiv einen "Ödipuskomplex" hernehmen? Wo hat das Kollektiv einen Vater (den es gar noch umbringen soll: die Wahnideen richten sich ja exakt aufs Gegenteil, der Vater wird krampfhaft gesucht), wo eine "Familie", wo überhaupt sexuelle Beziehungen - und wo wären daraus hervorgegangene "Kinder" zu suchen und welchen "Geschlechts" -, die im Kollektiv dem Ödipuskomplex folgten?

Außerdem habe ich zu berücksichtigen, daß das "Kollektiv" ein dem Individuum übergeordnetes "Holon" (s. Arthur Koestlers Theorie), die hierarchisch vorgelagerte Stelle ist (und wenn Sie nun nach der dem Kollektiv wieder evt. vorgelagerten Instanz fragen, so verweise ich nur zurück auf meine agnostische Einstellung: nach der vorliegenden Beweislage sehe ich keine, stelle indessen evt. neue Befunde - nach Heilung des Kollektivs - damit nicht in Abrede).

Ich vermag sogar im Individuum kaum einen ernst zu nehmenden "Ödipuskomplex" zu entdecken - und hinaufgetragen ins Kollektiv, wie gesagt, schon gar nicht! -, der nicht allein von Freuds im Darwinismus, der uniformen Evolution, befangener Suche nach dem verdrängten Erregungshintergrund - der für das Kollektiv durchaus vorhanden ist, wie wir entdeckt haben, wenn auch in ganz anderer Form - definiert worden wäre.

Der Komplex ist also, und das historische Vorbild ist ja sogar dazu noch gefunden worden, ein ganz markantes Beispiel eines vom falschen Geschichtsbild verursachten verfälschten Resultates. Deshalb ins Archiv mit allen "Resultaten" der letzten zweieinhalb tausend Jahre und den Arbeitsspeicher frei machen für frische Analysen! (22.4.82)

HL an CM:

Die kuIturphilosophischen Schriften Freuds - ich denke in unserem Diskussionszusammenhang an Totem und Tabu, Der Mann Moses und die monotheistische Religion - führen in die Irre.

Es handelt sich dabei um Übertragungen, deren spekulativer Charakter ins Auge sticht. Die unkritische Übernahme Darwinscher Hypothesen und ihre psychoanalytische Verarbeitung - all das verleitet zu dem Phantom einer "Urhorde", die ihren "Vater" erschlug; einer daraus folgenden Reue, jener "Urschuld", aus der hervor der tote Vater zum "Gotte" überhöht und weit weg in den Himmel projiziert wird... Dies Schema noch auf Moses angewandt - es mag zu Zeiten psychoanalytischen Aufbruchs ein interessantes Spiel gewesen sein, uns bringt es nicht weiter.

Für mich ist Freud der Arzt und Analytiker, der - ganz konkret - beim Patienten blieb, aus dessen Leiden und Leidensäußerungen zu lernen versuchte - und zu schließen auf die Ursachen dieser Leiden.

Daß er dabei innere Konflikte vorfand, die irgendwie auf gestörte Beziehungen zur sozialen Umwelt verwiesen, die ihrerseits wiederum ihr Grundmuster aus der primären, d.h. der Umwelt des Kindes, mit andern Worten: aus den gestörten Familienstrukturen herzuholen schienen, ist unbestritten.

Seine Arbeit mit den Patienten und die Erkenntnisse, die er daraus zog, behalten ihren - und sei's zum Teil historischen - Wert. Freud hindert uns ja nicht, an ihn - insoweit er unumgehbar - anzuknüpfen und schließlich weiterzudenken.

Ich meine, daß er die Rolle der Jocaste - jetzt sind wir also bei seinem Ödipus-Komplex - nicht mit dem ihr zukommenden Gewicht ausgestattet hat. Das wissen wir spätestens seit der Entdeckung Tejes als ihrer historischen Urgestalt.

In dem Vater-Sohn-Konflikt um die "Liebe" der Mutter geht die aktive, ja initiale Funktion der Teje/Jocaste verloren. In dem, was wir mit Freud Ödipus-Komplex heißen, in diesem Konfliktzustand des Sohnes spiegelt sich in Wahrheit der Konflikt zwischen der Teje/Jocaste und ihrem Gatten (" ") Amenophis III/Laios.

Was wir in den verschiedenen Formen von Schizophrenien als im Kinde widerstreitende, individuell verschiedene Elternstrategien im Krieg der Geschlechter erkennen müssen - Freud hat es vernachlässigt. Und ich vermute, dabei spielte mit, daß er, als emanzipierter Jude, ja gewissermaßen antipatriarchalisch sich hatte emanzipieren müssen.

In seiner Auseinandersetzung mit dem Judentum schlug wahrscheinlich der Kampf gegen die Vaterreligion so stark durch, daß ihm auch bei seiner praktischen Arbeit an der Couch über der hochbedeutenden Rolle des (jeweiligen) Vaters die der Mutter fast entging.

Aus der Funktion aber der Teje/Jocaste (ich verwende sie jetzt als Typus) ergibt sich, daß sie den "Komplex" des Echnaton/Ödipus produziert! Echnaton/Ödipus wird zu einem Instrument, ja zum schwersten Geschütz in ihrem Krieg gegen Amenophis III/Laios. Sie haben völlig recht: es ist gar kein Vater da, allenfalls ein schwacher. Dieses "Nichts" wird getötet, ausgelöscht.

Nicht Echnaton - Teje ist die Begründerin des Sonnenkults in Ägypten. Übrigens ein Import, wie wir ja wissen. (Und weil es die schöne heile Sonnenwelt nicht gibt, muß das Experiment scheitern - wie alle Experimente, die sich "Ideen" verdanken und nicht der Realität?)

Kulturgeschichtlich kehrt das Echnaton/Ödipus-Teje/Jocaste-Bündnis (ein Komplott?) wieder in der Jesus/Christus-Maria/Muttergottes-Einigung gegen den (gehörnten) Vater Joseph und, wir nähern uns der Gegenwart, die Religion der Väter, die Vater-Religion.

Alle Symptome des klassischen Ödipus-Komplexes treten auf in dem Verhältnis - weite ich's nun ins Kollektiv - des Christentums zum Judentum. Und in der nordischen (arischen) Frauenerhöhung begegnen wir plötzlich - unversehens? - der guten alten Teje, die ihre Söhne zu Auschwitz anstiftet.

Ich bringe damit eine tiefenpsychologische Dimension ins Gespräch, die, wie gesagt, von Freud und darüber hinaus der psychoanalytischen Wissenschaft gänzlich vernachlässigt, wenn nicht eben verdrängt worden ist.

Das christlich-abendländische Kollektiv hat - religionsgeschichtlich, und das heißt wohl auch psychogenetisch - wirklich (!) einen - nicht minder kollektiven - Vater, den es stets von neuem, nämlich mit jeder heranwachsenden Generation, umbringen will, während die kollektiven Wahnideen, wie Sie sehen, sich exakt aufs Gegenteil richten, auf die Suche nach dem Vater: die Christen suchen ihn seit Anbeginn im HimmeI, die Nordischen erforschen (" ") ihre Ahnen. Da haben wir einen, wenn nicht den undurchschauten "Erregungshintergrund".

Teje, das ist die Kirche, die Urmutter, ein andermal die Nation, das Urkollektiv, Blut und Boden, alles Mutter-Imagines, wie ähnlich auch Ihre Gäa. Ja, Sie erwähnen es, sexuelle Beziehungen: die gibt es eben nicht!

Diese ganze Problematik (siehe Laios/Amenophis III) bleibt draußen. Die spezifischen Motive der Jocaste/Teje bei der Gattenwahl werden gar nicht erst erfragt. (Ich sehe da ein weites Feld für eine nachfreudianische Analyse, die gleichwohl Freuds Arbeit weder verleugnet noch gar verleumdet.)

Verdrängte, sublimierte Sexualenergien schaffen denn auch die Art von kollektiver Seelenverbundenheit, jenes Einswerden in der versammelten Geschlechtslosigkeit, die wir als gemeinen Trost für den Mangel an Geschichte kennengelernt haben. Auch Geschichtsfälschung hat hier ihren psychologischen Ort.

Auch ich datiere zurück. Auch ich denke: etwa zweieinhalbtausend Jahre. Aber ich meine: den Beginn abendländischer Geschichte mit der Entstehung und Ausbreitung der - nachtrojanischen - griechischen Kultur, ähnlich epigonal wie das Christentum, ein Randausläufer indisch-kernasiatischer Autonomie. (25.4.82)

CM an HL:

Nein, nein, nein: Dieser "Anthropomorphisierung" des Kollektivs kann ich mich nicht anschließen! Sowenig wie ein Vater da ist, gibt es doch auch keine Mutter und auch keinen "Krieg der Geschlechter".

Den "Ödipus"-Komplex könnte es allenfalls unter Individuen geben, obwohl ich keinen Nachweis dafür kenne - Söhne mögen ja hin und wieder einen Vater erschlagen, aber gewiß nicht, weil sie die Mutter begehren (liebliche Stiefmütter ausgenommen).

Daß Organe des Kollektivs Menschheit - Nation, Kirche, usw. - öfters mal kategorisch als Mutter oder Vater vermerkt werden, für die man kämpft (wer hätte schon gehört, daß einer sein "Vater"land erschlagen wollte), steht lediglich für eine jener Fasern, die das Individuum, die Zelle, in das Kollektiv binden.

Mit einer "Ur-" oder der "Großen" Mutter oder einer Vater-Religion kann ich das nicht verbinden: Die Bezeichnung von Gottheiten als "Mutter" oder "Vater" geht auf ihr beobachtetes verwandtschaftliches Verhältnis untereinander zurück, aus dem die Menschen nicht abstammen (die werden entweder von den Göttern gesät oder aus Ton geformt, usw.); die modernen Interpretationen, zu denen auch Ihre eigenen gehören, entstehen direkt aus den aktualistischen sozio/ethnologischen Theorien - ahistorisch, verdrängungsfördernd, geschichtsverfälschend.

Die Familienverhältnisse Echnatons mögen himmlischen Vorgängen abgeguckt gewesen sein - griechische "Mythologie" etwa berichtet ja drastisch über die dort gepflegten Verhältnisse - und die Göttlichkeit der Familie dämonstriert haben auf einer hierarchischen Ebene unter dem Aton, wenn man in Abwesenheit der alten Gottheit, resp. aus Anlaß von deren Nichtmehrerscheinen die Zeugung Pharaos nicht mehr ihr zuschreiben konnte.

Sogar das Tabu, derartige Verhältnisse unter gewöhnlichen Sterblichen einzugehen, könnte auf diese beobachteten Vorgänge im Himmel zurückzuführen sein und erklären, weshalb Echnaton überhaupt als so ganz außergewöhnlicher Ketzer angesehen worden ist.

Aber das berechtigt uns überhaupt nicht, von "klassischem Ödipuskomplex" zu sprechen, wo es sich nur um ein modernes Konstrukt auf Grund falscher Daten handelt, also um ein Phantom.

Ich kann nur immer wieder wiederholen: Jede Analyse aktueller Probleme muß gestützt sein vom Vorstellungsvermögen für die von der Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte offengelegten, (damals) von außen geprägten Verhaltensmuster der Menschen!

Ebenso unmöglich wie nicht zu gestatten ist die Entnahme einer Gestalt aus der Zeit der Realgottheiten als "Typus" in die Gegenwart, unsere Zeit der Verbalgottheiten.

Damit fallen m.E. Schemata, wie Sie sie mit dem Einbau von Religionsentwicklungen (Xentum/Judentum) in moderne Theorien errichten, in sich zusammen.

Ich sehe da eigentlich auch Ihren gegen Heinsohn gerichteten Eifer begründet, mit dem Sie - wie ich das auffasse, wobei mir zugegebenermaßen vieles einfach unverständlich bleibt - z.B. einem rein aktualistisch erfaßten, Darwin-MARX-Einsteinisch geschautem also, Proletariat das Leben retten möchten, ohne allerdings zu sagen: wozu?

Denn Sie weigern sich doch, dieses Proletariat aus historischer und der Gäa-Schau zu beurteilen, wobei ich "Gäa" als den zutreffenden kosmologischen Begriff für das Lebewesen Erde (erweitert also aus dem Begriff "Raumschiff Erde" in dem Sinne, als das - insbesondere bewußte kollektivmenschliche - Leben integrierter energetischer Bestandteil ist) aufgefaßt wissen möchte.

Heinsohn zeigt, wie ich finde, gut, wie das DME-Proletariat im Grunde wiederum nur ausgehend von gefälschter Altertumsgeschichte definiert wurde, resp. mit Begriffsinhalten (wie etwa der durch Ausbeutungsabsicht gemachten Masse) ausgestattet wurde.

Damit will ich erhärten, daß auch die gewaltige Marxsche Theorie und ihre Ausläufer im Lichte der Rekonstruktion vollumfänglich im Kuriositätenkabinett ad acta zu legen sind, bevor man sich an die neue Umschreibung menschlicher Gesellschaftsstrukturen setzt.

Vordringliches Thema für mich ist dabei die Abgrenzung zwischen Kollektiv und Individuum als zwei so verschiedene Wesenheiten, wie es menschliche Zelle und der Mensch an sich darstellen. Ich sehe da in den bisherigen Lehren keine Ansätze, die aus der Sicht der Rekonstruktion einen brauchbaren Einstieg lieferten, ausgenommen vielleicht - quasi als Gerüst - Koestler's Holon Theorie. (22.7.82)

***

Ideologien sind Denksysteme, deren Organisationsprinzip man entdecken muß, da eine gültige Verbindung zwischen den ausgegliederten Gebieten erst hergestellt werden kann, wenn die Struktur jedes einzelnen herausgearbeitet ist... Strukturale Dynamik und Geschichte im eigentlichen Sinne sind also nicht dasselbe, wie stark auch ihre gegenseitige Durchdringung sein mag (118/119). Lucien Sebag: Marxismus und Strukturalismus. Theorie 2 Suhrkamp 1967

kuckuck 37/38/39
1982/83, Herbst/Winter/Frühjahr
27. November 1982

Die Briefe von Christoph Marx fehlen in der Buchausgabe. kkk

kokhaviv press:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)

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