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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

1998-00-00

Horst Lummert

Unerfreuliches

Unerfreulich ist mir beides: das Buch und seine Rezension.

Shoham zeigt viele Schwächen, und Faethe spießt sie alle auf. Shohams Fehler sind vor allem Übersetzungsmängel. Die deutsche Ausgabe ist das, was uns vorliegt.

Mehr ins Detail zu gehen, also etwa das englische Original heranzuziehen, wäre aber wohl doch des Guten und Nützlichen zuviel.

Halten wir uns also an die deutsche Fassung und ihre Rezension durch Peter Faethe.

Die bringt uns gleich den zweiten Ärger.

Faethe reitet mit Behagen auf Shohams bzw. den Fehlern seiner Übersetzung herum, versäumt dabei allerdings, an die Substanz des Buches heranzugehen.

Beide, sowohl Shoham als auch Faethe, scheinen von vornherein nicht mit dem kritischen Leser zu rechnen.

Shoham schreibt z.B. über die Nazis, denkt aber nicht an den nazistischen Leser, der das Buch prüfen könnte.

So reden beide irgendwie am Publikum vorbei.

Die deutsche Fassung ist von Übersetzer und "Redaktion" hingeschludert worden.

Faethe nennt den Übersetzer Michael Levi und den "Redakteur" Rainer Hirschkorn nicht bei ihren - deutschen - Vornamen.

Er hält das wirklich durch, immer nur von "M.Levi" bzw. "R.Hirschkorn" zu sprechen.

Dabei sind die deutschen Vornamen in unserm Fall außerordentlich wichtig.

Faethe erfüllt damit ein nationalsozialistisches Soll, läßt sich jedoch eine Gelegenheit entgehen, tiefer in die Verlagsproblematik einzusteigen.

Die Schluderarbeit ist offensichtlich für ein bestimmtes deutschsprachiges Leserpublikum gedacht, den neudeutschen Typus, der zu allem Ja und Amen sagt, wenn es nur dem entspricht, was nach seiner modischen Ansicht "politisch korrekt" ist.

Damit allerdings widerlegt "der deutsche Leser" zugleich Shohams Charakterologie.

Faethe übertreibt nicht etwa, wo er auf die vielen Patzer im Buch eingeht.

Es ist auch wahr, daß das im Inhaltsverzeichnis für Seite 343 vorgesehene Register weder da noch anderswo zu finden ist.

Es fehlt, und Faethe hat es natürlich gemerkt, nicht so der Redakteur der deutschsprachigen Ausgabe Rainer Hirschkorn.

Michael und Rainer, vermutlich deutsche oder deutsch-österreichische Juden bzw. solche "in Deutschland" oder "in Österreich", haben, falls sie dachten, "der Deutsche" von heute frißt das ohne weiteres, etwas falsch eingeschätzt.

Edition S Verlag Österreich, was für ein Betrieb, hat den Kardinalfehler ermöglicht.

Das Copyright (1995) liegt bei der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien, bei Dyonon-Papyrus und Tel Aviv University.

Da durfte man doch eine ordentliche Arbeit erwarten.

Der nationalsozialistische Rezensent Peter Faethe findet reichlich Gelegenheit, sich an Verhunzung und Firlefanz zu ergötzen, glaubt nun aber, am Pfusch vorbei auch das Ernstzunehmende bei Shoham nicht ernst nehmen zu müssen.

Auch er macht es sich also zu leicht hier in Deutschland.

Selbst seine kleinen Geschmacklosigkeiten schlagen nicht nur dem neuen NS-Hohn zu Buche.

Wo er Shoham wohlberechnet zum "Holokausierer" macht, bekennt er imgrunde, daß er das Buch nur oberflächlich gelesen, daß er die zahlreichen Stümpereien herausgelesen hat, wobei ihm vieles entgehen mußte, was unter der Oberfläche gemeint ist, aber aus politisch-ideologischen Gründen verpackt werden sollte.

Faethe überliest geflissentlich, daß Shoham eben nicht "jüdische Heldentaten" besingt, sondern vor allem die Schwächen des "partizipanten", angeblich jüdischen "Sozialcharakters" beschreibt.

Der Ausklang des Buches lautet: bei allem sporadischen Widerstand - der jüdische Sozialcharakter hat wesentlich zu Verfolgung und Vernichtung der Juden beigetragen.

Das ist ein victimologischer Ansatz, der in der ns~revisionistischen Literatur gern vorgezeigt wird.

Faethe bemerkt zwar, daß der Autor für Chamberlains und Rosenbergs Mythologien nicht ganz unempfänglich war, nimmt aber nicht wirklich zur Kenntnis, daß Shoham auf der gleichen Ebene es den Nazis zurückgibt.

Auch Shoham wird das so nicht wahrhaben wollen.

Er akzeptiert nicht, daß im deutsch-jüdischen Konflikt zwei gleiche Mytho-Typologien aufeinanderstießen.

"Juden" und "Deutsche" sind ausgesprochen "separante" Charaktere mit einem ähnlichen, wenn nicht gleichen, zumindest aber vergleichbaren - "partizipanten" - mythischen Grundverständnis.

Beide verstehen sich "partizipant" als Mandatsträger ihres Gottes bzw. göttlicher Vorsehung.

Wenn Hitler in seinen frühen Reden den Allmächtigen anrief und die Rettung "seines Volkes" erflehte, erinnerte dies nicht an die nordische Götterwelt, wie sie uns die Edda überliefert hat, sondern ans Alte Testament.

Hitler trat als Konkurrent des Gottesvolkes auf und war wie dieses im Umgang mit anderen Völkern extrem "separant".

Das "eliminatorische" Denken ist ebenso hebräisch-alttestamentarisch, wie es nationalsozialistisch war und wiederum ist.

Der Amaleq-Israel-Vergleich mit dem deutsch-jüdischen Konflikt unserer Epoche kommt nicht von ungefähr.

Amaleq wird "von Gott" bis ans Ende der Zeiten bekämpft, weil die Amaleqiter die der ägyptischen Katastrophe und ihren Verfolgern soeben entronnenen, erschöpften, geschwächten Israeliten nicht schonten, sondern sie in ihrer Schwäche überfielen.

Das Gleiche taten die NS-Deutschen mit den ungeschützten, hilflosen, ohnmächtigen Juden in Europa.

Und beide Male wurde den Machtlosen so etwas wie eine metaphysische Macht zugesprochen.

Allein dieser Aspekt ist es, der "den Amaleqitern" und "den Deutschen" die Motivation gab und wieder gibt, sich nämlich einer "Übermacht" zu erwehren, wobei die aktuell wirtschafts- und finanzpolitischen Argumente doch eher eine Nebenrolle spielen, wenngleich sie die "Machtfrage" zu stützen scheinen.

"Heiligung" und "Dämonisierung" finden sich auf beiden Seiten.

"Juden" und "Deutsche" wenden sie wechselseitig auf sich bzw. aufeinander an.

Shohams unglücklche "Sozialcharakterologie" läßt die Geschichte letzten Endes außer acht.

Der "partizipante" Typ, soweit wir ihn als "Sozialcharakter" verstehen, der sich mit den Gegebenheiten arrangieren muß, ist ein Produkt der Geschichte.

Shoham entdeckt, daß die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg eher dem "partizipanten" Typus zuneigten.

Was blieb ihnen anderes übrig?

Die "partizipante" Lebenswahl ist die "Charakterologie" des Verlierers.

Die Juden entwickelten in ihrem mehr als zweitausend Jahre währenden Exil eine Überlebensstrategie, die sich sozial "partizipant" gab, prinzipiell jedoch, nämlich in der Lehre, dem spirituellen Selbstverständnis, extrem, ja grenzüberschreitend, geradezu hybrid (man beachte die Etymologie!), "eliminatorisch", "separant", sich mehr als nur treu blieb.

Die scheinbare Ambivalenz des "jüdischen Charakters'' nährt sich aus den Wurzeln tiefster Tiefen und ersteigt zum Wipfel die Himmelsleiter ohn' Unterlaß.

Das ist der Lebensbaum.

Nach neuhebräischer Auffassung ist mit der Gründung des Staates Israel die Zeit des Exils zu einem Abschluß gekommen bzw. kommt sie allmählich zu ihrem Abschluß.

Damit geht der jüdische "Sozialcharakter" aus seiner "partizipanten" Geschichtslosigkeit wieder in die separierende Geschichte ein.

Shoham sieht in der Überraschung des Jom-Kippur-Kriegs einen Rückfall ins "partizipante" Grundverhalten.

Die Re-Judaisierung hat ihren Ursprung nicht zuletzt im später vertraglich geregelten Rückzug aus dem Sinai, dem Verlassen, der Selbstzerstörung, ihrer eben erst "für die Ewigkeit" erbauten Wohnsiedlungen dort.

Israel als Staat und Nation sieht sich in einer neuen Lage, in der es auf Gottes Hilfe nicht (mehr) verzichten kann.

Israelisch-jüdischer Realismus hatte stets die euphorische Beigabe, die freilich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erkennbar sich vom Nationalen und Politischen zum Religiösen und Metaphysischen hin verschoben hat.

Ein jüdischer Fundamentalismus korrespondiert der Renaissance des Islam, einem islamischen Fundamentalismus eben, dessen "Fundament" nichts anderes als Gott selbst und sein "Gesetz" ist.

Auch Hitler war in diesem Sinne "Fundamentalist".

Darum ist es nicht verstiegen, beim deutsch-jüdischen ebensowohl wie beim arabisch-israelischen Konflikt von einer "metaphysischen", "kosmisch" bedingten Feindschaft zu sprechen.

Solche Konflikte werden leicht zu Psychosen, wenn man sie auf die tägliche Politik überträgt und die "Feindschaft" hier allzu wörtlich nimmt.

"Transzendentale Kriege" sollten "transzendental" ausgetragen werden, nämlich spirituell, geistig, schwarz auf weiß.

Geistige Auseinandersetzungen dürfen ihren Raum nicht verlassen.

Innerhalb der Disziplin, meinetwegen auch interdisziplinär, bereiten sie den materiellen und physischen Krieg nicht vor; sie machen ihn womöglich überflüssig und unnötig.

Die Demokratie bringt es mit sich, daß die "Disziplinen" auch ihre prinzipiellen Grenzen nicht mehr einhalten können.

Der Chabad Lubavitsch Rabh Teichtal sagt:

Amalek kann sich in jedem Menschen manifestieren. Er ist Grobheit, Egoismus und Hochmut; er kann es nicht ertragen, daß andere größer sind als er... Wenn wir uns vom Egoismus und Hochmut Amaleks befreien wollen, müssen wir daran arbeiten, wie Mosche zu werden: demütig und bescheiden vor Gott.

Da wird angeregt, daß jeder den "Amalek in sich" zähme.

Von Hitler und anderen Judenhassern wird überliefert, daß sie ihren "inneren Juden" bekämpften.

Nach dem Krieg sprach man von "Hitler in jedem von uns", den es zu bremsen gelte.

Der "Rassegedanke" hatte nicht zuletzt eine "rassische" Blut- und Selbstreinigung im Sinn.

Shoham sieht einen grundlegenden Unterschied zwischen "nordischer" und "jüdischer" Mythologie.

Beide Völker folgten letztlich den Gesetzen ihrer je besonderen Mythologie.

Die Erfüllung (und Neubegründung) des Gesetzes ist identisch mit der Synchronisierung der Geschichte, ihrer Mythologisierung (vgl. kkk-feder 15/16).

Hier wird das Besondere zum Allgemeinen.

Die nordischen Mythen schildern die Schöpfung der Welt nicht dialektischer als das Alte Testament.

Die biblische Schöpfungsgeschichte ist eine permanente Geschichte der Unterscheidungen, Trennungen, "Separationen".

Gott schuf nicht aus dem "Nichts", sondern aus dem, was schon da war; und die Edda berichtet nichts anderes, nur halt in anderen Bildern.

Ihre dialektische Schöpfung aus Eis und Feuer ist die extrem dargelegte Entstehung aus Wasser und Sonne, Erde und Himmel.

Alles Leben wird auf diesem Wege.

Der biblische Regenbogen, das erste Bundeszeichen, ist der Himmelsgruß der Hoffnung, der auch am nördlichen Firmament erscheint.

Die Menschen haben unabhängig voneinander die gleichen Schöpfungs- oder Naturvorgänge beobachtet und über sie berichtet.

Shoham ist in seinem Denken mehr Grieche als Jude.

Um nicht als deutscher "Separant" dazustehen, verwendet er viel Mühe darauf, die Unterschiede zwischen den "separanten" Deutschen und den "separanten" Griechen hervorzuheben.

Der hier wesentliche Unterschied besteht jedoch zwischen "partizipanten" Juden&Deutschen auf der einen und den "separanten" Griechen auf der anderen Seite.

Die drei "separanten" Gleichheiten verändern dieses Bild nicht.

Da mögen sie sich noch so viel beschimpfen und mit "Vogelmist" bewerfen, die deutsch-jüdische ("partizipante") Ähnlichkeit bis Verwandtschaft wird damit nur noch unterstrichen.

Wie die Deutschen die Juden gemordet haben, so könnte es auch umgekehrt geschehen.

Deportationen haben wir erlebt und sind jederzeit, bei passender Gelegenheit wieder möglich.

Das rausschmeißerische Moment ist "jüdisch" und "deutsch" gleichermaßen.

Die Kantsche Philosophie und das Gesetz Gottes lassen Unklarheiten im Hinblick auf das, was wir Wahrheit nennen, nicht zu.

Denkbar, daß wir beides - deutsche Philosophie plus Monotheismus - "überwinden" müssen.

Das läßt sich aber wohl nur "philosophisch" und "monotheistisch" (jüdisch/islamisch), mithin geistes- und heilsgeschichtlich erreichen.

Ich denke auch an Parodie: daß der Mensch sich nicht mehr zu ernst nimmt.

Die Sehnsucht der Deutschen, wie die Exil-Juden als Opfer in die Geschichte einzugehen oder aus ihr herauszufallen, äußert sich auch in den aufgedrehten Ängsten vor dem "Untergang des deutschen Volkes".

Faethes "gothische" Hervorhebung - "Höre es, Welt..." - signalisiert den "deutschen" Wunsch, Gottes Segen als "auserwähltes Volk" zu empfangen.

In Gesprächen mit Nationalsozialisten läßt sich immer wieder dieses Motiv erkennen: sie wollen den metaphysischen (jüdischen) Rivalen in der "Auserwähltheit" bzw. bei der "Auserwählung" wegschalten, um an seine Stelle treten zu können.

Auch darin eifern sie den Juden nach.

Um den Segen des Erstgeborenen rang Jakob sogar mit dem Engel des Herrn. Seitdem heißt er Israel.

Um die Gunst Gottes mordeten die Deutschen Gottes Volk, die Söhne und Töchter Israels.

Der Begriff "Holocaust" kommt in seinem inneren ("heilsgeschichtlichen") Wert den Deutschen mehr entgegen als den Juden.

Das Opfer - als Handlung - hat keinen Eigenwert; es erlöst - intentionell - den Opfernden.

Das Liebste zu opfern, ist das Höchste.

Es hieße, daß im Haß "der Deutschen" auf "die Juden" sich insgeheim eine starke Zuneigung kundtut, die in der Wertschätzung des "Erstgeburtsrechts" ihren Grund hat.

Auch Qain tötete Abel um Gottes willen.

Die deutsche Auserwähltheit ist nur biblisch zu enthüllen.

Die Heiligung von "Auschwitz" wiegt schwerer, als es zu leugnen.

Oder wir müssen uns von der Last der Geschichte befreien, indem wir das toranische Denken verlernen.

Nicht einmal die Feinde Gottes, ja die ärgsten unter ihnen, kommen davon wieder los.

Daß Peter Faethe die sogenannte gothische Fraktur bevorzugt, wo er seinen Text als nationalsozialistisch und besonders deutsch herausstellen möchte, ist bezeichnend; denn spätestens seit kkk-feder 7 weiß er, daß die "gotische Schrift keine deutsche Schrift", sondern "auf die Schwabacher Judenlettern zurückzuführen" ist (Reichsschatzmeister der NSDAP, Franz Xaver Schwarz, in der Anordnung 2/41 vom 23.1.41).

Was opfert man nicht alles für die Auserwähltheit.

Peter Faethe spricht von "gesäuberten Ausgaben des Alten Testaments und des Talmud".

Meint er "Säuberungen" aus jüdischer Hand?

Juden werden sich hüten, ihre Schriften zu "säubern"; und ihre Feinde zehren davon, daß sie es nie getan haben.

Die redaktionellen Änderungen jüngerer Bibelübersetzungen sind deutsch-christlichen Ursprungs.

Die hebräischen und aramäischen Texte werden nicht angetastet.

Was Faethe anmerkt, ist also ein ("partizipantes") deutsches Problem.

Von der vielfachen Lesbarkeit antiker Texte einmal abgesehen.

Nicht jede Änderung ist zugleich eine "Fälschung".

Manche Shoham-"Fehler" sind keine.

"Judenblut", das "vom Messer spritzt", war Inhalt nazistischer Gesänge, wenn auch nicht gerade des "Horst-Wessel-Lieds".

In der Sache ändert es nichts.

Shoham unterläuft vielleicht einmal der Lapsus mit der "Eiche"; daß aber "Yggdrasill" die "Esche" (Weltesche) bezeichnet, können wir auf Seite 79 gleich mehrmals lesen.

Was Faethe zu Rückübersetzungen als Fehlerquellen anmerkt, ist gültig.

Daß die "Grünen" eine "friedenspolitische" Nachgeburt oder Wiedergeburt des Nationalsozialismus sind, stand vielleicht erstmals im alten kuckuck der siebziger Jahre zu lesen.

Und dem angeblichen Sauberkeitstrieb der Deutschen steht eine jahrtausendealte Reinlichkeitskultur des jüdischen und nichtjüdischen Orients entgegen.

In Europa wusch "man" sich nicht.

Noch heute "schadet zuviel Waschen der Haut".

Die schweren Pest- und Cholera-Epidemien waren auf solche Zustände zurückzuführen.

Kein Wunder, daß die davon weniger betroffenen Juden als "Urheber" der Seuchen herhalten mußten.

Faethe setzt der Shohamschen Sozialcharakter-Ordnung eine eigene bzw. nationalsozialistische entgegen: "homo faber und homo parasiticus".

Die Juden sind also "Parasiten".

Petermann verglich neulich die Juden den fleißigen Ameisen, die die (deutschen) faulen Blattläuse melken, was denen auch noch Lust bereitet (kkk-feder 17/18).

Was sagt uns die Geschichte dazu?

Ausgesprochen parasitäre Gesellschaftsschichten waren der Erbadel und andere Privilegierte und Subventionierte, die das arbeitende Volk als "Leibeigene", heißt: als Sklaven hielten, sie bis aufs Blut auspreßten; die den Staat molken, auf diesem Umweg der Steuerzehrung noch einmal das Volk ausbeuteten.

Wenn ihre miserable Haushaltsführung das Gemeinwesen in den Bankrott führte, pumpten sie "den Juden" an, und wenn sie ihre Schulden zurückzahlen sollten, sprachen sie die Juden "schuldig" und hetzten das Volk auf sie.

So hatten die Blut&Boden-Aussauger - man nennt sie bis heute "Elite" - auch ein drittes Mal Beute gemacht.

Ein Jude wird von kleinauf zur Unabhängigkeit erzogen; sich "auf die eigenen Beine stellen" und eben niemandem "auf der Tasche liegen", ist jüdische Lebensauffassung.

Ich wüßte gern einmal konkret, worin der "Schaden" besteht, den Juden in den Völkern angerichtet haben.

Vielleicht kann Peter Faethe es dem kuckuck mal gründlich darlegen.

Der durchaus beiderseitige Nutzen ist ständig nachzuweisen.

Auch heute kriegen wir zu hören, daß der "jüdische" Kapitalismus die Menschen ausbeute, obwohl jeder weiß, daß derselbe Kapitalismus via Marktanpassung und Preisgestaltung dem Staat einen Großteil der Sozialpolitik abnimmt, während dieser Staat selbst seinen Bürgern wie ein wahrer Parasit auf der Tasche liegt.

Giora S. Shoham, Walhalla, Golgotha, Auschwitz. Über die Interdependenz von Deutschen und Juden. Siehe auch Rezension von Peter Faethe, Teil 1.

Die Piraten unserer Gesellschaft sind keine Nomaden, sondern sitzen fest in ihren Bürokratensesseln, die sich frei nach den Regeln natürlichen Wachstums vermehren.

Peter Faethe fällt zu Todt (Speers Vorgänger) nur ein: "Baumeister für Deutschland... Straßen und Brücken, Arbeit und Schweiß, Zirkel und Lineal, Ästhetik und Logik".

Nicht Westwall, Atlantikwall, Luftschutzbunker, Rüstungsindustrie und Zwangsarbeiterwirtschaft?

Nicht falsche Politik, die dem deutschen Volk die Zerstörung seines Landes, die Auslöschung seiner Jugend, ihrer Hoffnungen und Sehnsüchte bereitete?

Celans "Meister aus Deutschland" - der Tod - war auch ein "Meister" für Deutschland.

Faethes Hohn über die Opfer des Krieges wird spätestens hier selbstmörderisch makaber.

Der primitive Appell an die niedersten Instinkte, der von der NS-Propaganda nachprüfbar ausging, sollte nun aber gerechterweise nicht als "Wiedererweckung des primitiven, brutalen Instinkts der frühen Germanen in den endlosen Wäldern des Nordens" (Shirer) interpretiert werden.

Es ist schwierig, den Juden und den Deutschen historisch gerecht zu werden.

Shoham erzählt, wie er in Athen unter der Akropolis Leo Schestows Athen und Jerusalem, sein Hauptwerk, las und über dessen strenge Unterscheidung zwischen griechischem und biblischem Denken erstaunt war.

Er fand, im Gegenteil, daß die griechische Berglandschaft der Judäas verwandt sei und darum wohl unterschiedliche, aber nicht unbedingt gegensätzliche Mentalitäten hervorgebracht haben könne.

Er meint, daß das nachsokratische Hellas dem Judentum durchaus ähnlich geworden sei.

Man spürt auf Schritt und Tritt, wie Shoham Griechenland vor den Deutschen retten, wie er den Deutschen das nach deren Auffassung ihnen innerlich verwandte Griechentum entreißen möchte.

Darin kann er sich aber nicht mehr auf Schestow stützen.

Schestow unternimmt den Versuch, biblisches und griechisches Denken zu komponieren, das philosophische mit dem Offenbarungsdenken in einer "religiösen Philosophie" zu verschmelzen.

Shoham kann sich begrenzt auf Schestow berufen.

Er nimmt die spezifischen Differenzen zwischen ursprünglich hebräisch-biblischem und dem späteren kabbalistisch-spekulativ-mystischen Denken nicht genügend, wenn überhaupt wahr.

Bei ihm wird die biblische zu einer nicht-ästhetischen Religionsphilosophie, die in der gern kolportierten "Unsauberkeit" der europäischen "Ostjuden" schließlich ihren Endausdruck gefunden habe.

Kierkegaard traf die grundsätzliche Unterscheidung zwischen dem "ethischen" und dem "ästhetischen" Menschentypus.

Irgendwo trifft sich die Ästhetik mit den mathematischen Wissenschaften, so daß sich nicht nur hypothetisch ganz wesentliche Differenzierungen vornehmen lassen.

Die Welt der "Künste" hebt sich von der Welt der Offenbarungen Gottes ab.

Zwei Schönheitsbegriffe kommen aufeinander zu.

Die Schönheit der Schöpfung Gottes und die Schönheit menschlicher Künste und Kunstwerke, die aus Gottes oder der Götter Chaos die Ordnung der Welt erst schaffen mußten.

Hier hat das "Gute" seinen Platz.

Das "Schöne" des ästhetischen Menschen ist zugleich das "Wahre" und "Gute". Der "gute" Mensch sieht sich in einer ursprünglich "bösen" Welt, zu deren Gütung und Umwandlung er seinen Beitrag leisten müsse.

Das Offenbarungsdenken versteht die Welt und sieht den Menschen ganz anders.

Es erfreut sich dankbar der wunderbaren Schönheit des von Gott Erschaffenen und entdeckt dagegen die blinde und taube Undankbarkeit der Menschen im Angesicht dieser offenbaren Wahrheit Gottes.

Hier klaffen die Philosophien, Weltanschauungen und sogar Religionen auseinander.

Von dieser Grundproblematik hat Shoham das Wesentliche erfaßt, um gleich wieder davon abzukommen.

In der Tat sind ja die "Guten", die ihre Werke in die "böse", von Gott oder den Göttern erschaffene Welt stellen, um diese erst einmal bewohnbar zu machen, die Städtegründer, die Erbauer der ägyptischen und mexikanischen Pyramiden, die Konstrukteure des Turms von Babel, der Akropolis, die Stifter heiliger und geheimer Paläste, Kolosse und Monumente.

Shoham sieht im nazistischen Angriff auf die Juden eine Attacke der Provinz gegens Urbane und übersieht dabei wie vor ihm andere, daß die urbanen Juden bereits aus dem "partizipanten", an Gott und seinem Schöpfungswillen orientierten Leben herausgefallen waren; daß der "Emanzipierte" der Abtrünnige ist.

Die Germanenhorden kamen aus der Steppe, und der toranisch-koranische Monotheismus verdankt seine Lebensweisheit und Wahrheit der Wüste und dem Nomadentum.

Als ob da zwei "wilde" Ursprünge einander die "Stadt" und damit "Babylon", aber auch "Jerusalem" streitig machen wollen.

Die biblischen Urkräfte "Amaleq" und "Israel" wirken in derselben Welt, auf demselben prae- und postzivilisatorischen Boden.

Das gibt dem Antishemitismus ja gerade die metaphysische Bedeutung, seine Transzendenz.

Weder die einen noch die anderen sind ursprünglich "Ästheten".

Sie sind ethisch geprägte, von Gott oder den Göttern bestimmte und geleitete Elementarkräfte.

Das trennt beide von den, wie Adorno an Odysseus erkannte, eher "bürgerlichen" Griechen, ob vor- oder nachsokratisch.

Sokrates ist kein Nazarener, und Jesus hat als "Grieche" und "Römer" seine Ursprungskraft, seine "Echtheit" verloren.

Germanen und Hebräer sind die gleichen wüsten und verwüstenden, aufeinander abgestimmten Geschichtsinterventionisten, die je auf ihre Weise von den ihnen auf Geheiß Gottes und der Götter ausgelieferten Stadt- und Hochkulturen als an die Wurzeln ihrer "ästhetischen" Existenz gehende Bedrohung erlebt und - durchaus richtig - begriffen werden.

Beide ursprünglichen Wildheiten und "Echtheiten" haben freilich in ihrer Relation zueinander eine Besonderheit aufzuweisen.

Die Germanen sind geschichtlich jünger, wie es scheint, obwohl einige Indizien gegen diese Annahme sprechen.

Zu ihren Gunsten sei gesagt, daß sie noch jung sind und damit eben noch nicht ausgereift, noch nicht genügend abgeschliffen.

Ihre Kultur hat etwas Kantiges und Steifes, das man sich auf vielerlei Weise erklären kann.

Wenn wir den Germanen ein biblisches Alter zugestehen, können wir die Hoffnung, daß sie sich noch ändern würden, in den Wind schreiben.

Dann sind sie eben so, wie sie sind. Dann haben die Rassisten recht. Die Konsequenzen daraus kommen für sie jedoch ganz überraschend.

Je tiefer du rührst, um so mehr Urschlamm und Dunst steigen auf, aber auch Bedenkenswertes, scheinbar Vergangenes und Verlorenes. Es bleibt.

Shoham besteht darauf: "Mit der Germanisierung Europas wurde die Stigmatisierung der Juden intensiver."

Die Hunnogermanen aber brachten den Gott Odin aus Mittelasien mit.

"Odin" heißt für die mittel- und nordeuropäische Geschichte die asiatische Invasion von bislang unbekannten Kunstfertigkeiten und Wissenschaft.

Odin ist (russ. Adin) der Eine Herr und Gott der Torah, hebr. Adon, Adonai (vgl. kkk-federn 7, 8).

Diese Einsicht fehlte Giora S. Shoham, als er sich für die wiederholte Verwendung der Formel "Odin/Hitler" entschied.

"Und folglich", schreibt Leo Schestow,

muß die Philosophie nicht ein Sichumsehen, nicht ein Besinnen sein, wie man uns zu denken gewöhnt hat, - Besinnung ist das Ende jeglicher Philosophie, - sondern vermessene Bereitschaft, vorwärts zu gehen, ohne auf irgend etwas Rücksicht zu nehmen, ohne sich nach irgend etwas umzusehen.
Darum sagte der göttliche Plato: es muß alles gewagt werden, ohne zu befürchten, fügte er hinzu, als unverschämt zu gelten.
Darum hinterließ uns auch Plotin das Vermächtnis: ein großer und letzter Kampf steht den Seelen bevor. Das will auch Nietzsches Wille zur Macht sein.
Die Philosophie ist nicht ein Besinnen, sondern Kampf. Und dieser Kampf hat kein Ende und wird kein Ende haben.
Das Reich Gottes wird, wie geschrieben steht, mit Gewalt geraubt (505).

"Was hat Athen mit Jerusalem zu schaffen?", fragt der spanisch-indische Religionsphilosoph Raimon Panikhar im Anhang des Schestow-Werks.

Seine Antwort lautet unter anderm:

Philosophie ohne Religion ist ineffektiv, fruchtlos, reine Haarspalterei, trocken und tot. Religion ohne Philosophie dagegen ist blind, sektiererisch, provinziell, emotional und irrational (515).
In der Tat ist das Konzept einer rationalen - ich sage nicht rationalistischen - Philosophie, welches im Westen heutzutage vorherrscht, eine Ausnahme in der Menschheitsgeschichte... (516).

Leo Schestow, Athen und Jerusalem. Versuch einer religiösen Philosophie. Mit einem Essay von Raimundo Panikhar. 1994 Matthes & Seitz Verlag GmbH, Hübnerstraße 11, 80637 München. Deutsche Übertragung aus dem Russischen von Hans Ruoff. Raimundo Panikhars Essay Athens or Jerusalem? Philosophy or Religion? erschien zuerst in: Logos (Universität von Santa Clara). Aus dem Englischen von Irmengard Gabler.

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feder 19/20
III./IV. quartal 1998
6. April 1998

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