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Erkenntnistheorie und politische Praxis - Seit 1973 - Redaktion: Horst Lummert

Nachzulesen im Sammelband:
Horst Lummert in kuckuck (kulikri)
1973 bis 2000 & unveröffentlichte Texte aus 40 Jahren Wüste. Die vielsandigen Vordenklichkeiten des Avram Kokhaviv.
Band 11. Revisionismus-Kritik exklusiv II
Herausgegeben von Alexander Becker / Baraq Kokhaviv
© 2000 kokhaviv publications

1997-11-03

Horst Lummert

Was wissen wir über die Kurden, was können wir wissen?

Die neuen Antagonismen / Eurasien

Ein Versuch zur Etymologie: Kordax.

In der griechischen Antike war's ein "unanständiger" Tanz.

Die Tänzer schmückten sich mit Riesenphallen.

In der Ekstatik des alevitischen CEM-Gottesdienstes sind solche Elemente bis heute erhalten geblieben.

Khorasan und Khusistan.

Churru (Hindi) ist Haschisch.

Die Haschaschinen/Assassinen sind mit den kurdischen Aleviten in Verbindung gebracht worden.

Die Heilige Sprache Gurani.

Zaza. Kurmandschi.

Manches weckt Assoziationen zu Lebensweise, Brauch und Geschichte der Zigeuner (vgl. hebr. ZiGan = Wüstengarten, Oase; ZiGoj(m) = Wüstenvolk/-völker), die auf bemerkenswerte Weise zwischen Mittelasien und Ägypten hin und her pendelten, sich freilich irgendwann römisch-katholisch festgelegt zu haben scheinen.

Beide haben keine Schrifttradition.

Manches spricht für eine von Gott verhängte Strafe, wie sie die Bibel versteht, für eine Verabschiedung aus Buch und Gesetz.

Vieles bleibt rätselhaft, unausgesprochen, geheimnisvoll.

Was wir wissen, ist, was uns zu Ohren kommt, was uns vorgeführt wird.

PKK-Kämpfe in der Türkei.

Türkische Militäreinsätze gegen die kurdische Guerilla, den Terror der PKK.

Die türkische Seite hält sich bedeckt.

Mehr als die offizielle Terror-Version ist nicht zu erhalten.

Die türkische Botschaft antwortet auf Anfragen überhaupt nicht.

Wir sind auf die Medien und auf kurdische Informationsquellen angewiesen.

Wer mehr wissen will, kann diese Quellen hinterfragen, ihre Berichte ein wenig abklopfen.

In Roja Kurdistanê, der Vierteljahresschrift des Kurdischen Roten Halbmonds, mischt sich Widersprüchliches zu einer antitürkischen Propaganda, die einem irgendwie bekannt vorkommt.

Der Streit um das Flüchtlingslager Atrush, eine Zeltstadt im Süden Kurdistans (Nordirak), ist keineswegs so klar wie von kurdischer oder "kurdischer" Seite dargestellt.

Da wird zudem ein neues Feindbild an die Wand gehängt: die irakischen Kurden unter Barsani (Demokratische Partei Kurdistans, KDP).

Bei genauerem Hinsehen erhält man den Eindruck, daß die Flüchtlinge zurück in die Türkei, daß sie in den türkischen Großstädten ihr Glück versuchen wollen, daran jedoch durch ihre politischen "Führer" gehindert werden, unter dem Vorwand, in der Türkei drohe den Menschen so etwas wie Völkermord, tödliche Verfolgung.

Deutsche Ideologen mischen da kräftig mit.

Gleichzeitig berichtet Roja K. von starken Fluchtbewegungen aus den ost- und südostanatolischen "Kriegsregionen" in Richtung Westen bis nach Izmir und Istanbul.

Das Blatt veröffentlicht lange Listen von überfüllten Städten, alles infolge dieser "Fluchtwelle" (Nr.10/April 1997).

Viele gehen nach Deutschland.

Niemand - außer ihren "kurdischen Führern" - hindert sie daran.

Die Interessenlage im Nahen Osten ist kompliziert.

Die Kurdenfrage ("Kurdenfrage"?) läßt sich instrumentalisieren.

Gehen wir von der Türkei aus.

Sie ist islamisch und ist es hinwiederum auch nicht.

Sie ist NATO-Mitglied in der südöstlichen Flanke des Bündnissystems.

NAT0-Gegner sind automatisch "Freunde der Kurden".

Bei den Turkvölkern der ehemaligen Sowjetunion tritt die Türkei als Rivale Rußlands auf.

Sie bietet ihnen ein islamisches Modell, das zugleich modern, also westlich ist.

So konkurriert sie auch mit dem Iran, der um dieselben Völker wirbt.

Als islamische und zugleich westlich verbündete Macht ist die Türkei den nationalistischen Diktaturen in der islamischen Nachbarschaft ein Dorn im Auge.

Irak und Syrien kommen dafür in Betracht.

In all diesen Ländern leben Kurden.

Sie sind großenteils Sunniten, aber zu ebenso großen Teilen Aleviten, was sie wiederum mit vielen Türken, aber auch mit Syrien verbindet.

Der syrische Präsident Assad ist Alevit (Alavit).

Mit Hilfe der Aleviten läßt sich der Islam unterlaufen.

Mit Hilfe der Kurden können die Staaten, über die sich Kurdistan legt, destabilisiert werden.

Deutsche und andere Europäer, die die Türkei aus der Europäischen Union heraushalten wollen, sind "Freunde der Kurden", weil mit deren Hilfe die ganze Türkei in Verruf gebracht werden kann.

Wie ist es um die innere Autonomie der Kurden bestellt?

Wie verhalten sie sich spontan, aus eigenem Antrieb, ohne diese oder jene, meist selbsternannten "Sprecher der Kurden", ohne diesen oder jenen "Partei"-Vormund?

Die geschilderte Massenflucht spricht Bände.

Manches an den Kurden erinnert mich an die Brandenburger Sorben, die ihre angebliche Muttersprache, das Sorbische, erst in der Schule - als Fremdsprache - lernen müssen; die einfach Deutsche wie andere Deutsche auch sein möchten, aber nun aus übergeordneten politischen Gründen zum "Sorbentum" verurteilt sind.

Es macht offenbar große Mühe, Kurden zu finden, die das Kurdische als Muttersprache sprechen.

In Wahrheit ist ihre Muttersprache Türkisch, während sie das Kurdische in besonderen Sprachkursen für Erwachsene erlernen sollen.

Ihr Fernsehverhalten in Deutschland spricht dafür, daß sie Türken wie andere Türken sein wollen, was in Deutschland offenbar leichter, auch leichter durchzusetzen ist als unter der "kurdischen" PKK-Fuchtel in ihrer anatolischen Heimat.

Wie sieht es dort aus?

Betreibt die Türkei eine verdeckte Politik des Genocids?

Vor nicht allzu langer Zeit gab es offiziell keine Kurden, sondern "Bergtürken", was im übrigen etymologisch etwa mit dem Wort "Alevit" übereinstimmt.

Man könnte auch sagen:

Das Kurdentum ist ihre Vergangenheit, die Türkei ist ihre Gegenwart, der Islam aber ist ihre Zukunft.

Historisch betrachtet sind Aleviten natürlich keine Moslems, sondern innere Feinde des Islams.

Heute verstehen oder geben sich die kurdischen und türkischen Aleviten jedoch als Teil des Islams, als eine islamische Besonderheit aus.

Türkische Tendenzen, die Kurden im "Türkentum" aufgehen zu lassen, haben mit der zunehmenden Re-Islamisierung der offiziell noch als laizistisch-kemalistisch auftretenden Türkei die Komponente, sie, die Kurden, als Aleviten, mithin quasi Ungläubige und potentielle Feinde, zusätzlich zu beargwöhnen.

Einst waren die türkischen Aleviten maßgeblich an der Entstehung des laizistischen Staates beteiligt; gemeinsam mit "Atatürk" spielten sie die anti-islamische Karte.

Die Geschichte hat beide überholt, und beide wollen dies nur noch nicht wahrhaben.

Der türkische Staat hält weiterhin an der kemalistischen Doktrin fest, während das Volk sich längst wieder auf seine islamisch-osmanischen Wurzeln besonnen hat.

Die Evakuierung der türkisch-syrischen Grenzgebiete hat weniger mit "den Kurden" als mit einer künftig zu erwartenden Krise in der Region zu tun.

Die Anfang 1997 begründete türkisch-israelische Militärpartnerschaft erklärt den größeren Zusammenhang.

Die Terrorbekämpfung erhält dadurch einen anderen Akzent.

online-Fassung

kuckuck
feder 17/18 ### projekt YISHMAEL
situation
analyse
I./II. quartal 1998
16. Feb. 1998

Siehe auch:
Kurdistan, Übersichtskarte

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