The Caucazian Café kokhaviv publications rebird The Dynasty

Beiträge zur demokratischen Eroberung

2001-05-16

Erich Knapp

Buchbesprechung

Unter dem Aspekt der ministeriellen Verschwörung gegen "deutschen Gaullismus" zugunsten des Moskowitismus erstellte Zusammenfassung des Buches von Hans Graf Huyn "Die Sackgasse", Stuttgart 1966.

Huyn, Sohn eines 1933 aus dem Auswärtigen Dienst Deutschlands ausgeschiedenen Diplomaten und zuletzt Legationsrat im Referat I A1 (Europ. polit. Zusammenarbeit und federführend für den deutsch-französischen Vertrag), sah in der Erringung des atomaren Gleichgewichtes durch die UdSSR die Gefahr einer Abkoppelung der USA vom freien Europa, die gesteigert wurde von der amerikanischen Verwicklung in das Dickicht des Vietnamkrieges, aus dem diese zuletzt, wie Huyn ind seine Mitsteiter befürchteten, eventuell nur durch eine sowjetische Vermittlung beendbar würde, für die Moskau in Europa Gegenleistungen einfordern könnte. Gegen diese Gefahr sah Huyn - mit seinen Kampfgefährten beim RHEINISCHEN MERKUR und in der CSU, teilweise auch in der CDU und bei der aufgelösten DP - die Alternative in einer engen quasi-staatlichen Vereinigung mit Frankreich und seiner Force de Frappe. Darin eingeschlossen war auch die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zu Rotchina, das bei Verhandlungen in Bern schon 1964 die Infragestellung der Jalta- bezw. Potsdamer Beschlüsse zur Oder-Neiße-Linie anbot. (Implizit wurden damit auch die Westgrenzen der Sowjetunion, zu Polen z.B., infrage gestellt).

Huyns Buch ist eine akribische Darstellung der deutschnationalen promoskowitischen Sonderpolitik des Außenministers Schröder*, der als eine Art Superkanzler selbst Weisungen des Bundeskanzlers Erhard hintertrieb. Zuletzt soll Schröder sogar erwogen haben, die Berlin-Klausel, die allen außenpolitischen Verträgen der BRD hinzuzufügen war, aufzugeben. Gegen diese Gefahr suchte Huyn die CSU zu mobilisieren, indem er dem MdB v. Guttenberg davon Mitteilung machte, eventuell auch dem Chefredakteur Theo M. Loch vom Rheinischen Merkur (S. 343 u. 383 sowie 395/396 zum Pätsch-Urteil des 3. Strafsenats des Bundesgerichtshofes vom 8.11.1965) . Es war die Zeitschrift CIVIS, die in der August-Ausgabe 1965 davon faselte, daß Schröder in einen Zwei-Fronten-Krieg infolge eines Verrates von Staatsgeheimnissen verwickelt sei. Huyn wurde dessen verdächtigt, doch wurde nie ein Beweis erbracht. Jedoch seine drohende Suspendierung vom Dienst veranlaßte den Familienvater, seine Demission einzureichen. Die Verhöre waren gesundheitsgefährdend genug. Seine Begründung der Bitte um Entlassung lautete: "Ich bin nicht bereit, eine Politik des Vertragsbruches mitzumachen" (S. 406 ff.). Dazu sind auch die Protokolle des Bundestages vom 24.11.65 aufschlußreich, zumal Schröder die Abgeordneten durch Verschweigen vieler Tatbestände sowie durch geschicktes Ausweichen irreführte (S. 428 f.).

Diese kriminelle Episode in der Bonner Außenpolitik ist nur ein Vorgang unter vielen weiteren, zuvor wie später durchgeführten, die die deutsche Außenpolitik in der Tat in eine Sackgasse geführt haben - heute eine zwar gut versteckte (hinter dem Begriff OSZE), aber eine schlimmere und verderblichere!

*Gerhard Schröder (Jahrgang 1910), nicht zu verwechseln mit dem namensgleichen heutigen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), war Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, von 1953 bis 1961 Bundesinnenminister, von 1961 bis 1966 Bundesaußenminister und von 1966 bis 1969 Bundesverteidigungsminister, von 1949 bis 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er verstarb 1989. rebird-Redaktion

kokhaviv publications > rebird · Deutschlands Kurier

© Copyright 2001 kokhaviv publications